BAD URACH. Wenn man schon mal so viele illustre Gäste vor sich hat, dann darf man auch ein bisschen staatstragend werden. Und so holte Urachs Bürgermeister Elmar Rebmann weit aus bei der Eröffnung der Herbstlichen Musiktage am Freitagabend in der Uracher Festhalle. Stieg hinab in die Historie des Festivals mit dem frühen Tod der Gründergestalt Hermann Prey. Riss die globalen Krisen an mit Kriegen und Klimakatastrophe. Probleme, die nicht zu lösen seien durch »politische Drückerkolonnen«, die einfache Lösungen ans Volk vertickten. Stattdessen brauche es »Disziplin, einen kühlen Kopf – und Zuversicht«.
Womit er galant die Kurve zum Festivalmotto bewältigt hatte. Das lautet, vom künstlerischen Leiter Florian Prey ausgegeben, »Hoffnungsschimmer«. Was die beiden Musikensembles in den Saal zauberten, war jedoch mehr als nur ein Schimmer. Das Wiener Horn-Ensemble stellte eine Klangkultur vom Feinsten in den Raum. Und das Männervokalquartett Walhalla zum Seidlwirt aus Berlin konterte mit herrlichem Frohsinn.
In skurriler Gewandung
Das Gesangsensemble, in Urach als Quartett zu Gast, hat sich 2017 im Kreis von Studierenden der Musikhochschule Hanns Eisler in Berlin gefunden. Und nach den zwei bayerisch orientierten Berliner Stammlokalen benannt: dem Wirtshaus Walhalla, bei dem man Hausverbot kassierte, nachdem ein Techtelmechtel mit einer Kellnerin in die Brüche ging; und das Gasthaus »Zum Seidlwirt«, das später pleite ging. Skurril treten sie auf: Bariton Julian Twarowski in Frack und Zylinderhut, der türkischstämmige Tenor Berk Altan mit usbekischer Fellmütze, der englische Tenor Lawrence Halksworth in britischen Nadelstreifen, nur Bassist Daniel Pannermayr bleibt im hellen Anzug halbwegs neutral.
Zusammen schlagen sie den Bogen von Berliner Operettenhits zu österreichischem Volksgesang. Sie schmettern Paul Linckes »Berliner Luft«, wiegen sich in Heurigenliedern und Jodelnummern. Dazwischen eine Tucholsky-Vertonung von Eisler oder ein jiddischer Freundschaftssang. Und klassisches Hochkulturgut wie Schuberts »Nachtgesang« (Pannermayr: »Nicht zu verwechseln mit seinem berühmten 'Nacktgesang'!«).
Magie des Hörnerklangs
Sagenhaft, wie sich die vier Stimmen mit dem Klang der vier Hornisten verbindet. Die entfalten in reinen Instrumentalstücken die ganze Magie des in sich ruhenden Horntons: in Bruckners »Nachruf«, in einem filmmusikartigen Stück von Georg Wiesinger, leichtfüßig-tänzerisch in Sätzen von Karl Etti. Was Manuel Huber, Manuel Egger, Thomas Steinwender und Klaus Leherbauer bieten, ist traumhaft: perlende Läufe, grazile Höhen, samtweiche Tiefen, delikate Echo-Effekte.
Mit dieser Klangkultur können die vier Sänger, obschon gestandene Profis, nicht ganz mithalten. Und gleichen das durch quirlige Sing- und Spiellaune aus. Allerlei Anekdoten werden vom Stapel gelassen, von den Schwierigkeiten, sich als Engländer den Österreichischen Akzent anzutrainieren, bis hin zum Klatschtest, auf was das Publikum steht. Maultaschen und der VfB schneiden gut ab. Die Moderationen hätten hier und da ein bisschen mehr Timing auf die Pointen hin vertragen – aber gute Laune machte das allemal. Ein gelungener Auftakt. (GEA)


