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Fünf Räuber auf der Hut: Familienkonzert der Württembergischen Philharmonie

Das Familienkonzert der WPR »Die 5 Räuber und der geheimnisvolle Hut« führte die Zuhörer nach Spanien und in ein spritziges Handlungsgeschehen.

Rufus Beck beim Räuber-Rap.
Rufus Beck beim Räuber-Rap. Foto: Dagmar Varady
Rufus Beck beim Räuber-Rap.
Foto: Dagmar Varady

REUTLINGEN. Es ist nicht einfach, ein Familienkonzert auf die Beine zu stellen, das einer großen Altersbandbreite gefallen könnte. Die Geschichte »Die 5 Räuber und der geheimnisvolle Hut« der Hörspielautorin Katharina Neuschaefer bringt dies jedenfalls zuwege: Sowohl kleinere als auch ältere Kinder und natürlich Erwachsene kann dieses Abenteuer durchaus ansprechen mit seinem weitgreifenden Humor: schrullig, närrisch, drollig, findig, kurios. Eine etwas einfältige, in Spanien gelandete Räuberbande wird von einem Mann überfallen, der sich, weil bei der Bande nichts zu holen ist, mit den Räubern zusammentut und ihnen gleich einen Coup auftischt: das Stehlen eines magischen Hutes von der berüchtigten Hühnerfrau. Dabei geschehen so einige unverhoffte Ulkereien, die kauzigen Eigenarten der jeweiligen Räuber werden offenbart, und sogar eine Moral kann man aus der Geschichte ziehen. Ein jeder Mensch hat eine Eigenschaft oder eine Äußerlichkeit, die er am liebsten verbirgt. Warum also nicht offen damit umgehen, anstatt sich gegenseitig auszulachen?

Die Württembergische Philharmonie Reutlingen (WPR) hat sich gemeinsam mit Rufus Beck (Sprecher) dieser Geschichte angenommen, die Katharina Neuschaefer mit der Musik des spanischen Komponisten Manuel de Falla (Auszüge aus »Der Dreispitz«) kombiniert hat. De Fallas Musik ist bemerkenswert passend zwischen die Worte gesetzt oder mit diesen kombiniert. Ariane Matiakhs (Leitung) frische und vergnügte Art, an das Projekt heranzugehen, war auch an den Musikern zu erkennen, die mitunter keck und schmunzelnd zu dem ebenfalls munteren und erheiterten Publikum in der Reutlinger Stadthalle spähten. Mit Witz und Engagement wurde gespielt, wurden Motive geformt, Pointen gesetzt und doch auch zugleich die Musik ernst genommen.

In verschiedenen Dialekten und Tonfällen

Dies ist wertvoll: Kinder behutsam und mit Freuden an klassische Musik heranzuführen, und eben auch an etwas anderes als die übliche Filmmusik oder andere Ohrwürmer. Wunderbar also, wie passend, sprechend und aussagekräftig de Fallas Musik in diesem Fall an den Text führt, ihn lebendig macht und auf eine andere Ebene führt. Doch es gab ferner einen Menschen, dem das Lebendigwerden in großem Maße zu verdanken war, dem Sprecher Rufus Beck. Dieser ließ den Text aufblühen, die Charaktere plastisch werden, in einem rasanten Tempo, sodass man nur staunen – und lachen – konnte. Wie schnell er zwischen verschiedenen Dialekten und Tonfällen pendeln konnte, war erstaunlich. Da wurde gebrummelt, gelispelt, gehaucht, gemurrt, gemault und gefeixt. Und sogar gesungen und gerappt – ein richtiger Räuber-Rap (Hans Selmeier) – klasse!

Mit solch einem Konzept kann man Kinder fangen: In Reutlingen wurde jedenfalls viel gelacht, gelobt und geklatscht. Und dass der unsichtbar machende Hut am Schluss den Räubern entgleitet, macht nichts aus, sind sie doch um ein Pferd reicher geworden und um ein Quäntchen Kameradschaftlichkeit. (GEA)