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Barocke Tradition trifft moderne Klangwelten: Konzert des Metzinger Kammerorchesters

Das Metzinger Kammerorchester präsentierte vier Werke, die barocke Formen neu beleben.

Oliver Bensch dirigierte das Metzinger Kammerorchester, das Werke in Barockgestalt präsentierte.
Oliver Bensch dirigierte das Metzinger Kammerorchester, das Werke in Barockgestalt präsentierte. Foto: Verena Völker
Oliver Bensch dirigierte das Metzinger Kammerorchester, das Werke in Barockgestalt präsentierte.
Foto: Verena Völker

METZINGEN. »Barockes aus zweiter Hand« versprach das Metzinger Kammerorchester und hielt unter der Leitung von Dirigent Oliver Bensch Wort. Es erklangen in der Metzinger Stadthalle vier höchst unterschiedliche Werke, die sich alle an barocken Vorbildern orientieren, diese auf ganz eigene Art weiterentwickeln.

Den Auftakt machte das Orchester mit Mozarts Adagio und Fuge in c-Moll KV 546. Das Adagio eröffnet wie eine kurze Ouvertüre. Erst ein dramatischer kurzer Einsatz, dann eine Generalpause. Nach und nach kommen die einzelnen Stimmen dazu. Durch die barocke Gestik, punktierte Rhythmen und gefühlvolle Wendungen wirkt die Musik lebendig, was das Orchester sehr gut transportierte. Dann folgte die Fuge, eine beliebte Form in der Barockzeit. Das markante Thema wanderte von den Violinen zu den Bratschen, von den Bässen zurück zu den Violinen, als würden die Instrumente das Gespräch in einer präzisen, rhythmischen Staffelübergabe fortsetzen. Immer wieder blitzte der Themeneinsatz durch, wurde aber dann wieder von anderen Instrumenten überstimmt. Dieses ständige Hin und Her erschuf ein Wechselspiel aus Spannung und Ruhe, das die Zuhörer fesselte. Das Publikum erlebte ein Gespräch zwischen den Instrumentengruppen, das in Andeutungen und Nuancen geführt wurde, das sich nur über Klang und Bewegung der Instrumente entfaltete.

Mit Reiseleiter durchs Programm

Bensch, der selbst Violine und Viola studierte und heute hauptamtlich an der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg lehrt, führte das Publikum im Anschluss als »musikalischer Reiseleiter« durch das Programm. Seine Einführungen waren ebenso enthusiastisch wie lehrreich. Trotz des augenzwinkernden Hinweises, kein Seminar abhalten zu wollen, verließen wohl einige Zuhörer den Saal – nach dem Konzert - mit einem größeren Wissen über barocke Formprinzipien.

Besonders nötig war seine Erläuterung bei Arvo Pärts »Collage über B-A-C-H«, dem zweiten Werk des Abends. Die ungewohnten Cluster-Klänge der Streicher und des Cembalos wirken fremdartig. Das Orchester spielte die Zwölftonmusik jedoch überzeugend, bei der die Töne b, a, c und h immer wieder auftauchen. Durch scharfe Dissonanzen, die auch mal gezupft gespielt werden, wirkt die Musik, als wolle sie nie zur Ruhe kommen und wirkt wie ein Flickenteppich. Aber auch dies war an barocke Formen einer Toccata angelehnt.

Ruhiger Gegenpol

Im zweiten Satz jedoch wandelte sich die Atmosphäre ins Gegenteil. Mit langsamen Linien, klarer Harmonik und einem tiefen Atembogen gestaltete das Kammerorchester einen ruhigen Gegenpol. Die Musik schien auf einer einzigen Linie zu schweben, bevor der dritte Satz wieder zu modernen Harmonien zurückkehrte und das Ensemble erneut rhythmische Strenge und energische Akzente hervorbrachte.

Peter Breiners »Beatles Concerto grosso I« verschmolz Beatles-Hits wie »She Loves You«, »Honey Pie« und »Penny Lane« mit barocken Klängen. Immer wieder traten vertraute Melodieteile hervor, jedoch in einer völlig neuen, überraschenden Interpretation. So wirkte etwa »Penny Lane« beinahe wie ein Werk von Händel und versetzte die Zuhörer sofort in vergangene musikalische Zeiten.

Dissonanter Ausklang

Mit Alfred Schnittkes »Suite im alten Stil« endete das Konzert schon. Der Komponist spielt mit barocken Formen, ohne sich den klassischen Regeln vollständig zu unterwerfen. Die Suite eröffnet mit einer beschwingten Pastorale, die sofort Leichtigkeit und heitere Energie vermittelt. Doch schon bald entfaltete sich ein facettenreiches Klangspektrum: Mal zart und filigran, mal kraftvoll und dramatisch, immer wieder überraschte das Werk mit unerwarteten harmonischen Wendungen. Jedoch endet das Werk in einem dissonanten Klang. Das Publikum musste die Spannung aushalten, was jedoch dem Applaus für die Leistung des Orchesters keinen Abbruch tat. (GEA)