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Zum internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen: Hilfsangebote auch in Corona-Zeiten

Die Arme eines Mannes (r) halten mit Gewalt die Arme einer Frau
Die Arme eines Mannes (r) halten mit Gewalt die Arme einer Frau fest. Foto: Maurizio Gambarini/dpa/Symbolbild
Die Arme eines Mannes (r) halten mit Gewalt die Arme einer Frau fest. Foto: Maurizio Gambarini/dpa/Symbolbild

TÜBINGEN. Jedes Jahr am 25. November steht Gewalt gegen Frauen weltweit im Fokus der Aufmerksamkeit. Die häufigste Form ist Gewalt, die Frauen – oft unbemerkt von der Außenwelt – zu Hause erleiden. »In Zeiten der Kontaktbeschränkungen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie, in Zeiten von Quarantäne, finanziellen Sorgen, Kurzarbeit, Angst vor Jobverlust und Depressionen ist die Sorge, dass häusliche Gewalt zunimmt, berechtigt. Umso wichtiger ist es jetzt, Wege ins Schutz- und Hilfesystem aufzuzeigen und offenzuhalten«, sagt die städtische Gleichstellungsbeauftragte Luzia Köberlein.

Deshalb weisen in der letzten Novemberwoche rund 180 Plakate im ganzen Stadtgebiet auf das Hilfetelefon »Gewalt gegen Frauen« hin. Unter der kostenfreien Rufnummer 08000 116 016 gibt es eine Erstberatung in 17 Sprachen und deutscher Gebärdensprache sowie Informationen zu lokalen Unterstützungsangeboten. Zusätzlich zur städtischen Plakataktion hisst Oberbürgermeister Boris Palmer zum Aktionstag die »Terre des Femmes«-Fahne mit dem Motto »Frei leben ohne Gewalt – gegen Gewalt an Frauen!« vor dem Tübinger Rathaus.

Die Beratungsstellen bei häuslicher und sexualisierter Gewalt in Tübingen sind auch in Corona-Zeiten durchgehend besetzt, der Großteil der Beratung erfolgt derzeit telefonisch. »Mit den Kontaktbeschränkungen im März stieg die Zahl der Anfragen zunächst langsam an. Seit Ende Juni kommt die Corona-Welle aber voll bei uns an und beschäftigt uns seither bis an den Rand des Möglichen«, berichten Inge Bühler und Micha Schöller vom Verein »Frauen helfen Frauen«. Sich Hilfe zu holen, sei für viele Frauen in Zeiten strenger Kontaktbeschränkungen besonders schwierig: Wenn der Partner ständig zu Hause ist, können sie kaum unbeobachtet telefonieren. Auch deshalb bieten die Beratungsstellen von »Frauen helfen Frauen« ab dem 25. November mit dem Projekt »lain« auch eine Online-Beratung für gewaltbetroffene Frauen an.

Außerdem unterhält der Verein das autonome Frauenhaus in Tübingen. Es bietet Frauen und ihren Kindern in einer schweren Lebenskrise ein sicheres Umfeld und psychosoziale Unterstützung. »Das ist aktuell eine große logistische Herausforderung, denn wegen der Corona-Pandemie fällt die Unterstützung durch Ehrenamtliche teilweise weg, Gruppenangebote können nicht stattfinden, und es kann vorkommen, dass Kinder in Quarantäne müssen«, so Susanne Jetter vom autonomen Frauenhaus. Aktuell hat das Frauenhaus eine Außenwohnung angemietet, in der neu aufgenommene Frauen zunächst in einer zweiwöchigen Quarantäne leben, damit sie die anderen Bewohnerinnen keiner Ansteckungsgefahr aussetzen.

Häusliche Gewalt zählt zur weltweit häufigsten Form von Gewalt an Frauen. Im Jahr 2019 kamen allein in Deutschland 117 Frauen und 32 Männer wegen häuslicher Gewalt zu Tode. Studien gehen davon aus, dass hierzulande etwa jede vierte Frau mindestens einmal Opfer körperlicher oder sexualisierter Gewalt durch ihren aktuellen oder früheren Partner wird. Aus Angst, Scham, emotionaler oder finanzieller Abhängigkeit erstatten viele keine Anzeige. (pm)

www.tuebingen.de/chancengleichheit