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So hilft ein Tübinger Afghaninnen

Nach dem Regierungswechsel sind viele Afghanen mit Aufnahmezusage in Pakistan gestrandet. Der Tübinger Andreas Linder hilft ihnen.

Andreas Linder hilft einer Afghanin.
Andreas Linder hilft einer Afghanin. Foto: privat
Andreas Linder hilft einer Afghanin.
Foto: privat

TÜBINGEN. Hunderte Flüchtlinge aus Afghanistan sitzen derzeit in Pakistan fest. Einige von ihnen haben bereits von der Ampel-Regierung eine Aufnahmezusage erhalten, die nun von der Merz-Regierung überprüft wird. Der Tübinger Menschenrechtler Andreas Linder und der Rottenburger Journalist Peter Wingert haben einige dieser Gestrandeten Ende Oktober besucht.

Um welche Gruppen von Menschen geht es?

»Es gibt zwei Gruppen von Menschen, die dort auf eine Ausreise nach Deutschland warten«, sagt Wingert. Zum einen gebe es hochkarätige Funktionsträger, die bereits eine Aufnahmezusage der Ampel-Koalition hatten. Das ist etwa ein Journalist eines regionalen TV-Senders, dessen Frau Nachrichtensprecherin war. Da ist beispielsweise eine Rechtsanwältin, die einen Vertrag mit der deutschen GIZ hatte und ein ehemaliger Gouverneur der Provinz Khost.

in Pakistan getrandete Afghaninnen.
in Pakistan getrandete Afghaninnen. Foto: Privat
in Pakistan getrandete Afghaninnen.
Foto: Privat

Die zweite Gruppe sind Menschen, deren Anträge im Aufnahmeprogramm nicht bearbeitet wurden, weil das Programm schon vor Jahresende 2024 faktisch gestoppt wurde. Wingert berichtet von einer Wohngemeinschaft mit sechs jungen Frauen, von denen einige Lehrerinnen an Mädchenschulen waren, eine war Hebamme. Die meisten waren aktiv in der Frauenrechtsbewegung und werden deshalb von den Taliban verfolgt. Zwei weitere Frauensind in Gefahr, weil sie sich von einer koreanischen Freikirche zur Konvertierung vom Islam zum Christentum überzeugen ließen. Bei den Taliban steht darauf die Todesstrafe.

Wie steht die Chance der Flüchtlinge auf eine Ausreise nach Deutschland?

»Bei der ersten Gruppe stehen die Chancen besser als bei der zweiten Gruppe«, sagt Wingert. Er berichtet davon, dass drei Familien, die er und Linder in Afghanistan besucht haben, inzwischen in Deutschland sind, weil das Verwaltungsgericht Berlin ihre Klagen angenommen hat und die Regierung dann zur Erteilung des Visums gezwungen war. Das gilt für eine Rechtsanwältin, eine Frauenrechtlerin und eine weitere Familie.

Kurios ist der Fall des ehemaligen Gouverneurs. Er hatte bereits eine Aufnahmezusage, aber nach dem Regierungswechsel wurde ein Widerrufsverfahren eröffnet, weil ein inzwischen 15 Jahre alter Bericht des Washington Examiner auftauchte, nachdem er unter Korruptionsverdacht stand. »Es ist interessant, dass die Behörden unter der neuen Regierung nach Gründen suchen, wie man bereits gegebene Aufnahmezusagen widerrufen kann«, sagte Wingert. Bei der zweiten Gruppe der jungen Frauen bemühe sich Andreas Linders Tübinger Verein move on um Ausbildungsverträge als Altenpflegehelferinnen. Das sei die wahrscheinlich letzte Chance für die Frauen, um nicht abgeschoben zu werden. Wingert erstellte dafür kurze Bewerbungsvideos mit den Frauen.

Wie sind die Lebensumstände der Flüchtlinge in Pakistan?

»Sie haben nur ein Visum für drei Monate und wenn das bis Jahresende nicht verlängert wird, droht ihnen die Abschiebung«, berichtet Wingert. Tausende Afghanen seien bereits aus Pakistan nach Afghanistan abgeschoben worden. Den Menschen, die in einer vom Tübinger Verein move on angemieteten Wohnung leben und dort mit großem Eifer Deutsch lernten, ginge es den Umständen entsprechend gut.

Wie wurden diejenigen, denen die Ausreise gelang, in Deutschland empfangen?

Die Rechtsanwältin, der die Ausreise nach Deutschland gelang, berichtete von einem zweistündigen Verhör einer deutschen Behörde, das mit den Worten begann, dass sie es nun »tatsächlich mit ihren gefälschten Papieren nach Deutschland geschafft« habe. Darüber habe sich die Juristin empört, weil sie sich in Afghanistan in Zusammenarbeit mit den Deutschen für die »Förderung der Rechtstaatlichkeit« einsetzte und deshalb verfolgt wurde, berichtet Wingert.