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Rottenburger Diözesanmuseum: Millionenerbe ermöglicht Umbau

Farbige Wände, VR-Brillen und ein begehbares Schaudepot zeichnen das wiedereröffnete Diözesanmuseum auf.

Museumsleiterin Melanie Prange im Diözesanmuseum Rottenburg
Museumsleiterin Melanie Prange im Diözesanmuseum Rottenburg Foto: Steffen Schanz
Museumsleiterin Melanie Prange im Diözesanmuseum Rottenburg
Foto: Steffen Schanz

ROTTENBURG. Alte Meister, Kuriositäten, wertvolle Schätze aus dem Mittelalter - etwas versteckt in den Gassen der Rottenburger Altstadt findet sich eines der bedeutendsten Kunstmuseen seiner Art in der Region. Nur ist eben religiöse Kunst an einem laut Museumsleiterin Melanie Prange »schwierigen Standort« etwas, was bei dem man genau überlegen muss, wie man es präsentiert, damit es Besucher anspricht. Die Gelegenheit, das Museum zeitgemäßer und ansprechender zu gestalten ergab sich durch ein Erbe des Tübingers Robert Ulrich und seiner bereits vor ihm verstorbenen Frau Gertrud über 1,7 Millionen Euro.

Ein Millionenerbe macht es möglich

Auf niederschwelliger Stufe einladender als bisher präsentiert Diözesankonservatorin und Museumsleiterin Melanie Prange das Anfang November nach einem Jahr wieder eröffnete Diözesanmuseum in Rottenburg. »Wir haben den Kunstwerken zusätzliche neue Titel gegeben, die die Lebenswirklichkeit der Menschen wiedergeben und Anschlussmomente schaffen«, erzählt Prange. So heißt beispielsweise eine Skulptur der Heiligen Anna nun auch »Lebenserfahrene Frau«, eine Christusfigur, die auf einem Palmesel reitet - ein Werk von Jörg Lederer von 1520 und eines der Glanzstücke des Museums- heißt nun auch »Nahbarer Reisender«. Religiöse Kunst sei besonders an junge Menschen nicht ganz einfach zu vermitteln, sagt Prange. Deshalb soll die Kunst auf menschlicher Ebene erlebbarer werden.

Neue Titel für alte Kunstwerke

Bis auf die Schatzkammer sind alle Stockwerke des Museums mit Aufzügen barrierefrei zu erreichen. Die Objekte der Schatzkammer kann man sich nun mit Virtual-Reality-Brillen näher ansehen. »Auch die Brillen sollen ein Angebot sein, um jüngere Menschen anzusprechen«, sagt Prange. Im Ausstellungsraum im Erdgeschoss wurde einiges an Ausstellungsmobiliar ausgebaut, dafür die gemauerten Sandsteinsockel wieder sichtbar gemacht. Der Raum bekommt dadurch wieder mehr Charakter, Besucher können sich wieder besser vorstellen, dass das Museum einst der hintere Teil der Klosterkirche des aufgehobenen Karmeliterklosters war, in dessen anderem Teil sich heute das Priesterseminar befindet.

Farbige Wände

Neu ist, dass die Kunstwerke an farbigen und nicht mehr an weißen Wänden hängen. »Viele dieser Bilder hingen in Kirchen. Sie waren nie für weiße Wände gedacht«, erklärt Prange. Bei einer Sonderausstellung habe man bereits einmal mit grünen Hintergründen experimentiert und gemerkt, dass die Bilder und Skulpturen, vor farbigen Wänden besser wirken. Deshalb habe man Bilder und Skulpturen im Erdgeschoss mit grünen Hintergründen und im ersten Stock vor blaue Hintergründe gehängt.

Neue Videoinstallation

Das Treppenhaus hat Prange unter dem Motto »Himmelwärts« mit verschiedenen Engelsfiguren in den Ausstellungsraum einbezogen. Die graue Betonwand, die das Museum von der Kapelle des Priesterseminars im anderen Gebäudeteil trennt – vor dem Umbau hing hier eine Kreuzigungsgruppe - wird nun zur Projektionsfläche für die Video-Installation »Aufgehoben« von Karen Irmer. »Die an eine sprudelnde Quelle erinnernde Installation wurde eigens für diesen Raum entworfen«, erzählt Prange.

Heilige Marmeladengläser

Im unteren Stockwerk des Museums gibt es immer noch das Regal mit Altarreliquien – in der Rottenburger Umgangssprache häufig als »Marmeladenglas-Regal« bekannt. Reliquien, das bedeutet im Wortsinn »Zurückgelassenes« - gemeint sind Überreste von Heiligen und Märtyrern. Das können Knochen oder Gegenstände aus dem Besitz sein, oder sogar Sekundärreliquien, das sind Gegenstände, die einige Tage im Grab eines Heiligen waren. Meist wurden diese Reliquien bei der Weihe in Altäre eingemauert. Die Reliquien im Diözesanmuseum sind zumeist solche, die aus im Krieg zerstörten Kirchen gerettet wurden. Neu an dem Reliquienregal ist, dass neben den Reliquien eine Reliquienbüste steht, die das entsprechende Loch hat, in das die Reliquiengläser gestellt wurden. Durch diese Ausstellung wird deutlich, wie die Reliquien verehhrt wurden.

Neu und alt in der Schatzkammer

In der Schatzkammer ist nicht nur ein Reliquiar aus dem 7. Jahrhundert - der Zeit der Christianisierung der Franken und Alemannen, sondern ihm ist ein gebrochener Strahlenkranz aus dem Jahr 2026 gegenüber gestellt. »Es ist ein Werk, das zeigt, das heute nicht mehr so ganz klar ist, was heilig ist«, erklärt Prange

Kloster als Puppenhaus

Zunächst als Sonderausstellung geplant ist das neue Schaudepot, das sich ebenfalls im Keller befindet. Eng hängen russische Ikonen neben Barock und Historismus- beinahe wie auf einem Flohmarkt oder in der Fernsehsendung »Bares für Rares«. In Drahtkäfigen zu sehen ist allerhand Kurioses – wie ein Kloster mit Nonnen als Puppenstube – einst erstand es das Museum für eine Sonderausstellung zu religiösem Spielzeug.

Melanie Prange in der Schatzkammer des Diözesanmuseums
Melanie Prange in der Schatzkammer des Diözesanmuseums Foto: Steffen Schanz
Melanie Prange in der Schatzkammer des Diözesanmuseums
Foto: Steffen Schanz

Vor Corona hatte das Museum 23.000 Besucher im Jahr. Es ist das Ziel von Melanie Prange diese Zahl wieder zu erreichen. »Das hängt natürlich auch von den Sonderausstellungen ab«, weiß sie. Für eine dieser Ausstellungen bekommt das Museum im kommenden Frühjahr eine vom Verpackungskünstler Christo verpackte Geige geliehen.

Info: Öffnungszeiten Dienstag .–Freitag . 14–17 Uhr, Samstag, Sonntag und Feiertag 11–17 Uhr. Bis Weihnachten freier Eintritt, dann 3,50 Euro