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Aktuell Kanalisation

Ratten und Gifte in Wankheim im normalen Bereich

Ingenieur Immo Gerber erstattet dem Technischen Ausschuss Bericht über Wankheims Kanalisation

Arbeiten an einer Kanalisation. SYMBOL-FOTO: STÖHR Foto: Ines Stöhr
Arbeiten an einer Kanalisation. SYMBOL-FOTO: STÖHR
Foto: Ines Stöhr

KUSTERDINGEN-WANKHEIM. Kein Grund zur Panik. Zumindest in Wankheim geht von der Kanalisation – und für sie – keine akute Gefahr aus. Auch nicht bei Wolkenbrüchen, die heute als »Starkregenereignisse« drohen können: »Entwarnung, es sieht nicht schlecht aus«, beschwichtigte Immo Gerber, dessen Ingenieurbüro mit der Analyse des Wankheimer Abwassersystems beauftragt worden war. Der Abwasserfachmann trug seinen illustrierten Bericht am Mittwoch dem Technischen Ausschuss vor.

Sonst sei er ja »immer für Hiobsbotschaften zuständig«, scherzte der Gutachter eingangs, für diesmal »gelobe ich Besserung«. Im Zehn-Jahres-Turnus sollen die Rohrsysteme nach dem »Allgemeinen Kanalisationsplan« und der »Eigenkontrollverordnung« vermessen und überprüft werden: auf Schädigungen, auf die Größe und Kapazität sowie auf die richtige Mischung von Regenwasser und Abwasser. Wenn nach Wolkenbrüchen das Wasser aus den Dohlen quillt, soll eine Gemeinde – wie die Hauseigentümer auch – dafür sorgen, dass die oberirdisch abfließenden Fluten keinen Schaden anrichten. Dazu dient auch ein System für den Hochwasserschutz aus Regenüberlaufbecken, Gräben und Wällen.

Fünf Prozent sofort zu machen

In sechs Kategorien von 0 bis 5 teilten die Abwassertechniker den kommunalen Handlungsbedarf ein, erläuterte der Ingenieur. Nach einer Kontrolle der Rohre durch Kameras benennt ein Gutachten die Stufe 5 für unverzüglich fällige und dringliche Baustellen. Bei Stufe 3 sei Achtsamkeit angesagt. Auf 30 Prozent beziffert Immo Gerber die Kanäle in Wankheim, die mittelfristig einen größeren Durchmesser bekommen sollten.

Zu den Problemstellen gehören mit 347 Metern beherrschbare fünf Prozent des Wankheimer Netzes, wo »dringend was gemacht werden muss«. Das sind Risse, verrutschte Verbindungen oder Muffen, die sich gelöst haben und den Durchfluss stark behindern. Auf 1,74 Kilometern der Stufe 4 wären in näherer Zeit mittlere Schäden zu reparieren. Man solle aber, so der Ingenieur, die 30 Prozent mit geringerer Schadhaftigkeit und Erweiterungsbedarf unbedingt im Auge behalten.

Den Finanzaufwand bezifferte der Gutachter auch. Mit 450 000 Euro schlügen die »nicht unmittelbar notwendigen«, aber doch dringenden Reparaturen der Stufen 4 und 5 zu Buche. Der Sanierungsbedarf der Stufe 3 auf Zehn-Jahres-Sicht würde die Gemeindekasse mit 890 000 Euro belasten. Gerber empfahl die Bildung von Rücklagen. Bürgermeister Jürgen Soltau gab zu bedenken: »Je früher man die 3-er auswechselt, desto früher fangen sie auch wieder an zu altern.«

Medikamentenreste im Urin

Nebenbei wies der Gutachter auf ein paar Probleme hin, an denen Bürger und Hausbesitzer beteiligt sind. Er zeigte nicht fachgerecht ausgeführte Anschlüsse oder Einlässe von Privatrohren, die das öffentliche Kanalsystem beschädigt hätten.

Das Problem der Ratten, andernorts noch drängender, hänge mit der verbotenen Entsorgung von Lebensmitteln zusammen. Man könne am Aufkommen der Nager sehr genau feststellen, wo das Ins-Klo-Kippen von Essensresten üblich sei. Da gab es vonseiten der Härtenliste-Rätinnen Nina Zorn Nachfragen zur Dringlichkeit des Rattenproblems und von Vera Ambros zur Notwendigkeit von Eingriffs- und Sanktionsmöglichkeiten. Gerber konnte beschwichtigen.

Als drittes Problem wies Gerber auf Medikamente hin, die – gleichfalls verbotenerweise – in den Ausguss weggespült würden. »Die Leute wären entsetzt, wenn sie das wüssten.« Neben aggressiven Chemikalien gelangten auch Rauschmittel- und Pillenreste im Urin über den Siphon in die Abwasserrohre und Kläranlagen. Aber das sei in Wankheim vergleichsweise »alles noch völlig normal«. Der Ausschuss nahm den Abwasserbericht einstimmig so zur Kenntnis. Die Aufsichtsbehörde beim Landratsamt hat die Expertise schon genehmigt. (mab)