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Pausa-Gebäude in Mössingen: »Denkmale sollen leben«

Staatssekretärin Andrea Lindlohr preist den Erhalt des Mössinger Pausa-Quartiers als »beispielhaft«.

Staatssekretärin Andrea Lindlohr (im roten Kleid) besichtigte mit Mössingens Oberbürgermeister Michael Bulander, Baubürgermeiste
Staatssekretärin Andrea Lindlohr (im roten Kleid) besichtigte mit Mössingens Oberbürgermeister Michael Bulander, Baubürgermeister Martin Gönner und Vertretern des Landesamtes für Denkmalpflege das Pausa-Quartier in Mössingen. FOTO: STRAUB
Staatssekretärin Andrea Lindlohr (im roten Kleid) besichtigte mit Mössingens Oberbürgermeister Michael Bulander, Baubürgermeister Martin Gönner und Vertretern des Landesamtes für Denkmalpflege das Pausa-Quartier in Mössingen. FOTO: STRAUB

MÖSSINGEN. »Denkmale geben uns Identität, Halt und Rat, um uns auf die Zukunft auszurichten«, sagte Andrea Lindlohr in Mössingen. Als Staatssekretärin im Ministerium für Landesentwicklung und Wohnen warb sie auf ihrer »Denkmalreise« durch ganz Baden-Württemberg unter anderem in Reutlingen und Mössingen für die Arbeit der Denkmalpflege. Die Grünen-Politikerin aus Esslingen: »Das Industriedenkmal Pausa ist berühmt und weitläufig.« Der Erhalt durch Nutzung sei beispielhaft. Die Tonnenhalle wird inzwischen für Veranstaltungen und als Bücherei genutzt, die frühere Werkskantine der Pausa-Stofffabrik als Café. »Denkmale sollen leben«, sagte Lindlohr.

Erste Station des Tages war die historische Häuserzeile in der Oberamteistraße in der Reutlinger Altstadt, im historischen Stadtkern. Die Bürgerhäuser Oberamtei-straße 28-32, im 14. Jahrhundert entstanden, gehören zu den ältesten zusammenhängenden Fachwerkhäuserzeilen. »Die Stadt zeigt hier gelebte Nachhaltigkeit. Sie bewahrt die Häuserzeile und nutzt das Kulturdenkmal selbst als Ausstellungsstück für das bestehende Heimatmuseum«, so Lindlohr.

Arbeitswelt ist Teil der Heimat

Weiter ging es zur Textilfabrik Pausa in Mössingen, die ein Kulturdenkmal von besonderer Bedeutung darstellt. An ihrer Erhaltung besteht wegen ihres exemplarischen und dokumentarischen Wertes sowie wegen ihres Seltenheits- und Originalitätswertes ein gesteigertes öffentliches Interesse. »Wie gearbeitet und produziert wurde, gehört zum Heimatgefühl«, sagte Lindlohr.

Die Pausa besteht aus dem Verwaltungsgebäude einschließlich Zubehör, der Produktionshalle, dem Druckereigebäude, dem Kesselhaus mit Turbinenraum, Schlosserei und Kantine, sowie der Firmenbibliothek und den umfangreichen Sammlungen von Stoffentwürfen, Stoffmustern und Musterbüchern. Die Pläne stammen von Manfred Lehmbruck, dem in Paris geborenen Sohn des berühmten Bildhauers Wilhelm Lehmbruck. Der Architekt (1913-1992) lebte seit 1949 in Stuttgart und hatte noch 1932 als Hospitant am »Bauhaus« wichtige Repräsentanten des »Neuen Bauens« kennengelernt. Nach dem Zweiten Weltkrieg konnte er an diese internationale Architekturrichtung anknüpfen. »Die Umnutzung von Industriegebäuden ist eine Herausforderung, die stets neue innovative Lösungsansätze hervorbringt. Das Beispiel der ehemaligen Textilfabrik Pausa zeigt, dass dank des Denkmalschutzgesetzes auch bewegliche Kulturdenkmale geschützt werden können«, so Lindlohr.

Probleme bereitet indes zum Beispiel gerade an heißen Tagen die breite Glasfront von Café und früherer Werkstatt. Deshalb gebe es im Denkmalschutz auch wenig genaue Vorgaben. Er orientiere sich vielmehr immer an der jeweiligen Zeit. »Wir sind oft in kontroversem Austausch«, sagte Claus Wolf, Leiter des Landesdenkmalamtes. Bei der Pausa sei es ein jahrzehntelanger Weg gewesen.

»Die Meinungen und Vorgaben in der Denkmalpflege ändern sich«, so Wolf. Diese nehme auf das öffentliche Interesse Bezug, weshalb es Spielraum gebe. Offen ist beispielsweise noch, welche Vorgaben es für das Pausa-Verwaltungsgebäude und für die Bogenhalle gibt.

»Ein Investor muss das wissen«, sagte Mössingens Oberbürgermeister Michael Bulander. Er wünscht sich klare und umsetzbare Vorgaben, damit es weitergehen kann. Die Voruntersuchungen dauern schon lange an. »Das ist oft schwer zu vermitteln, aber sie lohnen sich«, sagte eine Mitarbeiterin des Landesdenkmalamtes. Mit zum historischen Wert trage neben den Gebäuden in Mössingen freilich die umfangreiche Sammlung von Stoffen und Textilien bei.

Zum Abschluss der Denkmalreise besuchte Staatssekretärin Lindlohr die Außensiedlung der Heuneburg bei Herbertingen-Hundersingen, eine der bedeutendsten vorgeschichtlichen Fundplätze Deutschlands und Europas. Zwischen 620 und 450 vor Christus befand sich dort ein frühkeltisches Machtzentrum regionaler und überregionaler Bedeutung. (GEA)