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Im Tempel der Löwengöttin

TÜBINGEN. »Ich hätte nie gedacht, dass es so ein Ding überhaupt noch gibt.« Christian Leitz macht aus seiner anfänglichen Überraschung keinen Hehl. Eine Tempel-Anlage auf fast dreißig Hektar großem Gelände, rund 2 000 Jahre alt, verborgen unter Sand und Gestein? Soeben ist der Tübinger Ägyptologe von der zweiten Grabung zurück und weiß: Die Anlage in Athribis ist ein Glücksfall für Forscher.

Ein Glücksfall für die Forscher: Bei vielen noch unter Sand und Steinen begrabenen Fundstücken werden die Farben besser erhalten
Ein Glücksfall für die Forscher: Bei vielen noch unter Sand und Steinen begrabenen Fundstücken werden die Farben besser erhalten sein als bei dieser Darstellung der Löwengöttin Repit. Die ägyptische Tempel-Anlage wird die bunteste ihrer Art sein. FOTO: LEITZ
Ein Glücksfall für die Forscher: Bei vielen noch unter Sand und Steinen begrabenen Fundstücken werden die Farben besser erhalten sein als bei dieser Darstellung der Löwengöttin Repit. Die ägyptische Tempel-Anlage wird die bunteste ihrer Art sein. FOTO: LEITZ
Edfu, Dendera, Kom Ombos, Philae: Jahr für Jahr bestaunen Tausende von Touristen die Bauwerke der Ptolemäer-Zeit. »So viele gibt's von denen nicht«, sagt Leitz. Der Tempel der Löwengöttin Repit, den der 43-Jährige nun mit seinem internationalen Team freilegt, gehört in diese Reihe und ist gleichzeitig etwas Besonderes: »Er wird mit Sicherheit der bunteste sein.«

Bahnbrechendes Werk

Bis Athribis in den Ägypten-Reiseführern auftaucht, werden allerdings noch gut zwanzig Jahre vergehen, schätzt der Tübinger. Abgesehen vom Sicherheits-Problem in der Gegend 200 Kilometer nördlich von Luxor: Die Wissenschaftler müssen sorgsam zu Werke gehen und Schicht für Schicht abtragen. »Wir stehen ganz am Anfang.« 1908 hatten Forscher eine Ecke freigelegt, sie dann aber wieder zugeschüttet.

Eigentlich hat es keineswegs so ausgesehen, als werde der gebürtige Westfale irgendwann Schätze des Altertums bergen. 1981 schrieb sich Leitz in Marburg für Germanistik und Philosophie ein, belegte dann aber »spaßeshalber« einen Hieroglyphen-Kurs. Die Faszination der uralten Texte hat ihn so gepackt, dass er im Sommer darauf zu Ägyptologie und Alt-Orientalistik wechselte.

Leitz' bahnbrechendes Werk ist ein Lexikon der ägyptischen Götter, acht Bände, nach Hieroglyphen-Alphabet geordnet. Eine unentbehrliche Hilfe für alle Kollegen, die nicht mehr umständlich suchen wollen. »Das muss jeder benutzen - egal, ob er mich mag oder nicht.«

Dass Leitz jetzt von Köln auf die zwei Jahre verwaiste Tübinger Professur wechselte, ist dem Einsatz der Uni-Leitung zu verdanken. Das Ministerium hätte die Stelle am liebsten gestrichen, doch der Rektor intervenierte mit Erfolg.

Für Christian Leitz' Fachkollegen ist schwer verständlich, wie man im Ministerium überhaupt auf so eine Idee kommen konnte. Für ihn steht fest: »Tübingen hat eines der besten Institute.« Und besonders günstig ist in seinen Augen die Nähe zu den Kollegen der Alt-Orientalistik. (GEA)