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Forschung über das Vergessen im Schlaf

Jan Born vom Schlaflabor der Uni Tübingen erhält einen Advanced Grant des Europäischen Forschungsrats

Wie unser Gehirn im Schlaf funktioniert will Jan Born vom Schlaflabor  der Uni Tübingen erforschen.  FOTO: UNI/SCHEIBLE
Wie unser Gehirn im Schlaf funktioniert will Jan Born vom Schlaflabor der Uni Tübingen erforschen. FOTO: UNI/SCHEIBLE
Wie unser Gehirn im Schlaf funktioniert will Jan Born vom Schlaflabor der Uni Tübingen erforschen. FOTO: UNI/SCHEIBLE

TÜBINGEN. Professor Jan Born vom Institut für Medizinische Psychologie und Verhaltensneurobiologie der Universität Tübingen hat einen Advanced Grant des Europäischen Forschungsrats (ERC) eingeworben. Für sein Forschungsvorhaben »Sleep balancing abstraction and forgetting of memory« (SleepBalance) erhält er eine Förderung von rund 2,45 Millionen Euro über die kommenden fünf Jahre. In dem Projekt will Born erforschen, wie das Gehirn im Schlaf Informationen in langfristige Gedächtnisinhalte umsetzt und dabei unwichtige Details aktiv für das Vergessen aussortiert.

Schlaf fördert die Bildung von Langzeiterinnerungen in einem aktiven Konsolidierungsprozess. Wenn man nach der Aufnahme neuer Informationen schläft, kann man sie sich besser merken, als wenn man nach dem Lernen wach bleibt. »In der Forschung geht man schon lange davon aus, dass der Schlaf auch dazu dient, unwichtige Gedächtnisinhalte zu vergessen. Seltsamerweise gibt es für diese so selbstverständlich klingende Annahme bisher keinerlei Beweise«, sagt Jan Born. Born will im Projekt »SleepBalance« Belege dafür finden, dass Schlaf Gedächtnisinhalte festigt, indem sie abstrahiert geordnet werden, und dass dieser Prozess mit dem aktiven Vergessen zufälliger, unwichtiger Details gekoppelt ist.

Wie viel neu gespeichert und was vergessen wird, müsse einer ausgewogenen Steuerung unterliegen. »Diese Doppelfunktion des Schlafs müsste am deutlichsten zum Ausdruck kommen, wenn so zahlreiche Informationen auf das Gehirn einströmen, dass die Kapazitäten für die Verarbeitung während des Schlafs erschöpft werden«, erklärt er. »Das gilt besonders während der Entwicklung des Gehirns im frühen Kindesalter, wenn noch kein oder wenig Wissen vorhanden ist und das Gehirn dauerhaft mit zu vielen Informationen überlastet wird.«

Mit Verhaltensstudien an Menschen und Nagern will der Forscher prüfen, ob seine Vorstellung von den Prozessen der Speicherung und des Verwerfens von Informationen haltbar sind. Die Wirkung des Schlafs wird dabei über den Vergleich mit Kontrollgruppen erfasst, die nach dem Lernen wach bleiben.

Born will auch untersuchen, welche Mechanismen des Nervensystems diesen Vorgängen unterliegen, wie Verbindungen zwischen Nervenzellen neu gebildet oder auch wieder gekappt werden. »Wenn wir mehr über das Vergessen im Schlaf wissen, hilft uns das auch, die Gedächtnisbildung besser zu verstehen«, sagt der Wissenschaftler.

Insgesamt 1 881 Bewerbungen für den Advanced Grant gingen beim ERC ein. 185 Projekte wurden ausgewählt. Gefördert werden Wissenschaftler in 20 Nationen, 35 davon nach Deutschland. (a)