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Der Winter könnte so schön sein

Schneeflocken tanzen durch die Luft, das durch Wolken brechende, gleißend-helle Licht hat eine feine Farbe. Fast hätte man vergessen, wie schön der Winter sein kann. Er fiel in den vergangenen Jahren in dieser Form eher aus. Da amüsiert es, Kinder zu beobachten, die mutmaßlich noch kaum einen »richtigen« Winter erlebt haben. Die sich beim Schlittenfahren nicht nur an den Hängen rings um Mössingen im Glücksrausch befinden. Jugendliche, die zum Schneeschippen abgeordnet wurden, noch sichtbar selten eine solche Schaufel in der Hand gehalten haben, auf dem Gehweg so steif agieren, wie der Stiel des Arbeitsgeräts bestenfalls ist.

Auf der Alb ziehen Wintersportler auf Langlaufskiern ihre Runden. Ein Zeitgenosse bewies dabei ganz überraschend besonders viel Stil. Er trug unter der atmungsaktiven Sportjacke ein blaues, gut gebügeltes Businesshemd mit korrekt sitzendem Kragen, sah aber wohl von einer Krawatte ab. In den frühen Tagen des Wintersports hatten ja auch die Alpinisten noch mehr Anspruch bei der Kleiderwahl, verbanden das Sportliche mit einer eleganten Note. Das macht solche alten Fotos bis heute zum Ereignis.

Was die Leute noch lernen müssen: Winter ist kein Synonym fürs Kranksein. Nicht zwangsläufig muss man husten, schniefen und triefen, fiebrig und schüttelfrostgeschüttelt im Bett liegen. Gerade der trocken-kalten Winterluft wird eine heilsame Wirkung nachgesagt. In den guten alten Zeiten wurde nicht nur Lungenkranken ein Luftbad auf Balkonen mit möglichst guter Sonnenexposition in Sanatorien verordnet. Das sollte vielleicht gerade beim Weltwirtschaftsforum in Davos für die dort gastierenden, mitunter kurzatmig wirkenden Figuren wiederbelebt werden. Dass man nicht nur im Winter nicht jedem die Hand schütteln sollte, wenn man bronchial-virale Epidemien vermeiden will, daran ist noch zu arbeiten. Bei guter Gesundheit sind alle Winterfreuden noch viel größer.