KREIS TÜBINGEN. Am Ende waren es nur 1,1 Prozent Unterschied: Um so wenig war das Angebot der Firma Alba günstiger als das des nächsten Bewerbers. Es reichte aus, um den Zuschlag zu erhalten. Ab 2027 wird wohl das Metzinger Unternehmen den Bio- und Restmüll in der Stadt Tübingen einsammeln, ab 2028 ist es dann für den gesamten Landkreis Tübingen einschließlich der Tübinger Teilorte zuständig.
Die Firma Bogenschütz erhielt im Verwaltungsausschuss den Zuschlag für die Sammlung von Elektroaltgeräten, Schrott, Sperrmüll und Holzmöbel. Die Verträge laufen bis 2032. Die Angebote liegen deutlich über den bisherigen Kosten. Beim Rest- und Bioabfall sind es rund 22 Prozent mehr gegenüber den derzeitigen Abfuhrkosten, beim restlichen Müll sind es 25 Prozent. Was das genau für die Gebührenzahler heißt, wollte Renate Angstmann-Koch wissen. Abfallwirtschaftsleiter Peter Mittag konnte ihr das allerdings nicht beantworten. Dazu sei die Gebührenkalkulation zu komplex.
Die Müllentsorgung musste aufgrund der Größe des Auftrags europaweit ausgeschrieben werden. Das Bewerberfeld blieb dennoch überschaubar: Nur drei Unternehmen gaben Angebote ab. Dass nun ausgerechnet Alba den Zuschlag erhielt, bereitete einigen im Gremium Kopfzerbrechen. Die Zustimmung erfolge mit »der Faust in der Tasche«, sagte der angehende Landrat Hendrik Bednarz. Man habe das »Hickhack mit den Gelben Säcken« noch in Erinnerung. Aber das könne nicht dazu führen, dass Alba vom Vergabeverfahren ausgeschlossen werde. Der Auftraggeber sei im Fall der Gelben Säcke nicht der Landkreis, sondern das Duale System, sagte Bednarz.
Alba hatte in diesem Frühjahr immer wieder Probleme, die Gelben Säcke fristgerecht abzuholen. In der Folge stapelten sich in der Unistadt teilweise meterhoch die Müllsäcke, auch an zentralen Stellen wie der Eberhardsbrücke. Das Unternehmen begründete das damals mit einem erhöhten Krankheitsstand bei den Mitarbeitern.
Müllberge wurden nicht vergessen
Weder die Kreisverwaltung noch die Kreisräte haben den Anblick der Müllberge vergessen. Man habe rechtlich geprüft, ob Alba vom Vergabeverfahren ausgeschlossen werden könne, bestätigte Mittag. Allerdings liege strafrechtlich nichts gegen das Unternehmen vor, auch keine Schadenersatzansprüche des Landkreises.
»Wir müssen immer den nehmen, der im Preis darunter liegt«, meldete sich Eugen Höschele frustriert zu Wort. »Alba sollte einfach ordentlich arbeiten. Bei Krankheit muss Ersatz gestellt werden, sowohl an Mitarbeitern als auch an Fahrzeugen.« »Wir werden mit Argusaugen darauf schauen. Wir kennen unsere Pappenheimer«, versprach Bednarz. Sollte die Abfuhr nicht klappen, drohen dem Unternehmen Vertragsstrafen. Allerdings müssen die verhältnismäßig sein, betonte Mittag. Auch das sei rechtlich geregelt. Maximilian Föll (SPD) fragte, ob die Angebotspreise üblich seien. »Vorher waren wir im günstigen Bereich«, sagte Mittag. »Jetzt liegen wir im Mittelfeld.«
Zustimmung ohne Enthusiasmus
Jörg Zimmermann (FWV) schlug vor, den vollen Betrag erst auszuzahlen, wenn der Müll hundertprozentig abgefahren wurde. Eine Idee, der Mittag einiges abgewinnen konnte. Allerdings hätte das zuvor vereinbart werden sollen. »Für die nächste Ausschreibung habe ich das im Hinterkopf«, sagte Mittag. An der Zustimmung führte also kein Weg vorbei. Alba erhielt den Zuschlag bei vier Gegenstimmen. »Ohne Enthusiasmus« sagte ein Kreisrat und hob die Hand zur Zustimmung. (GEA)

