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Aktuell Wohnprojekt

520 Wohnungen für Schüler und Beschäftigte der Tübinger Uniklinik

Jede Menge Wohnraum für Schüler und Beschäftigte der Uniklinik Tübingen wurden im Breiten Weg geschaffen. Die Vorgaben der Stadt waren anspruchsvoll. Am Dienstag war Schlüsselübergabe.

Die Uniklinik Tübingen hat 520 Appartements für Schüler und Personal gebaut. Am Dienstag war Schlüsselübergabe.
Die Uniklinik Tübingen hat 520 Appartements für Schüler und Personal gebaut. Am Dienstag war Schlüsselübergabe. Foto: Irmgard Walderich
Die Uniklinik Tübingen hat 520 Appartements für Schüler und Personal gebaut. Am Dienstag war Schlüsselübergabe.
Foto: Irmgard Walderich

TÜBINGEN. Jedes der neun Gebäude am Breiten Weg in Tübingen sieht anders aus. Das war Vorgabe des städtischen Planungsamtes, erzählt Architektin Kerstin Leibold. Im Innern gleichen sich die Wohnblöcke. Nur so könne günstig gebaut werden, so Leibold weiter. Entstanden sind im Breiten Weg in Tübingen 520 Wohnungen für Schüler und Personal des Uniklinikums. Wer dort wohnt, hat es nicht weit. Über eine breite Treppe, die Oberbürgermeister Boris Palmer »herrschaftlich« nannte, sind die Arbeitsplätze fußläufig zu erreichen. Und wem das zu anstrengend ist, der kann an der nahe gelegenen Bushaltestelle einsteigen. Alle fünf Minuten fährt dort ein Stadtbus Richtung Klinikum.

Die Planungen sind noch unter dem ehemaligen Klinikumschef Michael Bamberg und der kaufmännischen Direktorin Gabriele Sonntag entstanden. Zur Schlüsselübergabe am Dienstagmorgen waren sie ebenso dabei wie ihre Nachfolger Jens Maschmann und Daniela Harsch. »Es ist eine kreditfinanzierte Maßnahme, die uns keiner geschenkt hat«, erklärte Marschmann. Beeindruckend reibungslos sei die Baustelle vorangeschritten, erinnerte der Klinikumschef. »So wünscht man sich, dass es läuft.«

73 Millionen Euro Baukosten

Insgesamt 73 Millionen Euro hat das gesamte Projekt gekostet. Der Kostenrahmen wurde dabei, zur Freude aller Beteiligten, nicht überschritten. Gebaut wurde von März 2023 bis Dezember 2025. Rund die Hälfte der Wohnungen sind bezogen. Im Januar kann das letzte Gebäude für die Mieter freigegeben werden.

Im Oktober 2020 habe er zum ersten Mal von den Planungen gehört, erzählte Martin Rüdt von der Johann Bunte Bauunternehmung. Nach, so Rüdt »durchaus anstrengenden Verhandlungen« und rund 300 Megabyte großen Unterlagen haben man dann im Februar 2022 den Vertrag unterschrieben. Der Einsatz von Bamberg und Sonntag habe den Bauantrag bei der Stadt erst möglich gemacht, erinnerte Rüdt. »Unsere Architekten hatten es nicht ganz einfach.« Das Stadtplanungsamt hatte einen hohen Gestaltungsanspruch.

Zwei Innenhöfe für die Bewohner

Das hat sich letztendlich ausgezahlt. Enstanden sind neun Gebäude, deren Fassade sich durch Fenster und Balkone deutlich unterscheiden. Sie gruppieren sich um zwei Höfe. Einer davon schafft eine private Atmosphäre, der andere soll als Treffpunkt für alle Bewohner dienen. Auch ein Café und ein Minimarkt wird in den Gebäudekomplex einziehen. Auf der Gesamtfläche von rund 28.000 Quadratmetern sind Ein- und Zwei-Zimmer-Appartements entstanden. Alle sind möbliert und mit einer Fußbodenheizung versehen. Geheizt wird mit Wärmepumpen. Die Preise liegen zwischen 356 Euro Warmmiete für die Schülerunterkünfte und 940 Euro Warmmiete für ein Zwei-Zimmer-Appartement.

Es war ein Arbeiten auf Augenhöhe, betonte Rüdt. Viele regionalen Baufirmen seien beteiligt gewesen. Im Januar 2023 erteilte die Stadt Tübingen die Baugenehmigung, im März war Spatenstich, im 19. Juni konnte Richtfest gefeiert weden.

Von gelockerten Bauvorschriften profitiert

Oberbürgermeister Boris Palmer erinnerte an die Anfänge des Projekts: 2015, als aufgrund der Flüchtlingsströme die Bauvorschriften gelockert wurden, habe Tübingen das als Chance begriffen und am Breiten Weg Baugebiete ausgewiesen.

Der Tübinger Oberbürgermeister freute sich aber vor allem darüber, dass hier viele Wohnungen mit wenig Parkplätzen entstanden seien. In jeder anderen Stadt in Baden-Württemberg hätte man zu 520 Wohnungen 520 Parkplätze geplant. »Dann wäre das Projekt tot gewesen«, so Palmer. Der Bau wäre zu teuer geworden. Geschaffen wurden nur rund 80 Parkplätze für die Bewohner. Wer im Breiten Weg wohne, benötige in der Regel kein Auto, sagte Palmer. Schließlich sei die Klinik fußläufig zu erreichen. Auch die Fassade sei optisch gut gelungen, merkte der Oberbürgermeister an. Alles in allem also ein sozial und ökologisch gut durchdachtes Projekt. Und für Palmer wieder ein Beweis, dass zwar Deutschland nicht vorankomme, die kleine große Stadt Tübingen aber sehr wohl. (GEA)