TÜBINGEN. Vergangenen Freitag deutete noch nichts daraufhin, was in der Tübinger Geschwister-Scholl-Schule folgen würde. Es herrschte gute Stimmung. Die Schüler hatten »ein supertolles Fest« für 500 Gäste auf die Beine gestellt, berichtet Schulleiter Martin Schall und klingt stolz. Doch die Zufriedenheit nach der gelungenen Abifeier sollte nicht lange anhalten. Am Sonntag verschafften sich Abiturienten Zugang in das Gebäude. Die Schüler hatten vor, anlässlich eines Abistreichs Türen mit Tischen und Stühlen zu verbarrikadieren. Wie sie in das Gebäude nachts gelangen konnten, kann Schall nicht sagen. Möglicherweise habe jemand am Freitag ein Fenster offen gelassen.
Ein oder zwei Abiturienten kamen dann Sonntagnacht offenbar auf die Idee, Wasser ins Foyer hereinzulassen, drehten Wasserhähne auf und verstopften Abflüsse. »Das fanden manche besonders witzig«, sagt Schall enttäuscht. Daraufhin hätten einige Mitwirkende die Schule verlassen, »weil sie gemerkt haben, dass die Situation zu eskalieren droht«. Im Foyer stand dann das Wasser vier Zentimeter hoch, im Aufzugsschacht 50 Zentimeter. Insgesamt waren es rund 10.000 Liter Wasser, die zwei Einsatzkräfte der Feuerwehr am Montag noch rechtzeitig abpumpen konnten. Am Aufzug entstand kein Schaden. Sechs Türen seien jedoch aufgequollen und ein Tisch sei zerstört worden. Der Sachschaden belaufe sich laut Schall auf 3.500 bis 4.000 Euro. Zunächst war er noch von einem fünfstelligen Schaden ausgegangen.
Vor Scham im Boden versunken
Gleich am Montagmorgen wurde »ein Schüler erwischt«, der beim Abistreich mitgewirkt hatte. Noch weitere 24 Übeltäter hatten mitgemacht. Der Schulleiter bestellte dann die ganze Gruppe zu sich. »Sie sind vor Scham im Boden versunken und haben gemerkt, dass der Abistreich in die Hose gegangen ist«, sagt er und erzählt noch, dass er auch mit den Eltern der Beteiligten gesprochen habe.
»Bis 11 Uhr hatten die Schüler am Montag alles aufgeräumt. Jetzt erarbeiten sie einen Plan, wie sie die Kosten des Sachschadens aufteilen werden und möchten Verantwortung übernehmen, indem sie sich für die Schule mit einem Projekt einbringen. Es soll etwas Nachhaltiges sein«, fügt er hinzu. Mehr Details zu dem Vorhaben konnte Schall am gestrigen Morgen noch nicht verraten. Erst nach der Übergabe der Reifezeugnisse - später am selben Tag - sollten sie verkünden, was sie genau vorhaben.
Reue und Einsicht spricht für Schüler
In seiner 27-jährigen Karriere als Schulchef habe Schall einen derartigen Abistreich nicht erlebt, berichtet er. Dass die Schüler allerdings ihre Tat bereut haben, ihren Fehler eingesehen haben und auch alles wiedergutmachen möchten, spreche für sie. Es sei es nicht fair, den ganzen Abijahrgang über einen Kamm zu scheren, nur weil manche sich daneben verhalten hätten.
Einen vergleichbar schlimmen Abischerz gab es laut Stadt Tübingen 2017 am Wildermuth-Gymnasium. »Schüler hatten Tische und Stühle auf den Gängen herumgeworfen, Heu verteilt, Wände, Türen und Fenster beschmiert und Kunstwerke zerstört«, teilt Pressesprecherin Claudia Salden auf GEA-Anfrage mit. Zu dem diesjährigen Abistreich sagt sie: »Wir gehen davon aus, dass die Verursacher für die Schäden an der Geschwister-Scholl-Schule aufkommen. Eine Finanzierung aus dem Schulbudget werden wir nicht akzeptieren.« (GEA)

