TÜBINGEN. Die Chocolart findet bereits zum 18. Mal statt und gilt als das größte Schokoladenfestival Deutschlands. Rund 90 Chocolatiers und Manufakturen aus mehr als einem Dutzend Ländern präsentieren ihre süßen Kunstwerke. »Besucherinnen und Besucher dürfen sich auf Schokolade aus Italien, Frankreich, Belgien, den Niederlanden, Polen, Litauen, der Schweiz, Ecuador, Costa Rica und Peru freuen«, sagen die Veranstalter.
Neben internationalen Spitzenprodukten steht in diesem Jahr auch das kreative und soziale Engagement im Mittelpunkt. Besonders hervorzuheben ist die Teilnahme der Gemeinschaftsschule Steißlingen, die ihre eigens gegründete Schokoladenmanufaktur präsentiert. Nach Ansicht der Organisatoren zeigt sie damit eindrucksvoll, wie Bildung, Nachhaltigkeit und Unternehmergeist zusammenfinden.
Das Projekt »Schüler machen Schokolade« begann vor einigen Jahren mit einer Bildungsreise nach Ecuador. Dort leisteten Schülerinnen und Schüler Aufforstungsarbeit in der Provinz Napo und knüpften Kontakte zu indigenen Kakaogenossenschaften. Heute importiert die Schule gemeinsam mit ihren Partnern hochwertigen Arriba-Kakao direkt aus Ecuador. Die Jugendlichen übernehmen Verantwortung für Einkauf, Herstellung, Verpackung und Verkauf der Schokolade. In einem thematisch gestalteten Zelt auf dem Holzmarkt präsentieren sie den gesamten Weg des Kakaos von der Pflanze bis zur fertigen Tafel. Das Projekt vermittelt nicht nur Fachwissen, sondern auch Respekt vor dem Rohstoff und den Menschen, die ihn anbauen.
Tübinger Pralinen mit Kultfaktor: Rizzi und Palmer im Mittelpunkt
»Auch kulinarisch stehen regionale Kreationen im Fokus«, heißt es in Tübingen. Die Rizzi-Praline, inspiriert vom Werk des Pop-Art-Künstlers James Rizzi, begleitet die Ausstellung »James Rizzi – Home Away From Home« im Neuen Kunstmuseum Tübingen. »Sie vereint bunte Kreativität mit handwerklicher Präzision und ist exklusiv zur Chocolart erhältlich.«
Bekannter ist die Palmer-Praline. »Gefertigt vom Chocolatier Schell, kombiniert sie feinsten piemontesischen Haselnussnougat oder eine exotische Chili-Sesam-Kardamom-Füllung mit edler Schokolade«, teilen die Veranstalter mit. Jede Praline trägt als Erkennungszeichen eine kleine Schokoladenkrone mit Palmers Porträt.
»Die Seele des Kakaos« mit Raquel Cayapa
Als eines der Highlights sehen die Veranstalter das Schokoladen-Tasting mit der ecuadorianischen Kakaoexpertin Raquel Cayapa. Gemeinsam mit der Bewusstseinscoachin Saron Cabero lädt sie am Samstag, 6. Dezember, im Gemeindehaus Lamm zu einer intensiven Auseinandersetzung mit der Seele des Kakaos ein.
Cayapa stammt aus der Region Napo und arbeitet für die Organisation Kallari Futuro, die sich für faire Arbeitsbedingungen und nachhaltigen Anbau einsetzt. Ihr Tasting verbindet fundiertes Wissen mit einer traditionellen Kakaozeremonie, die Kakao als spirituelles und kulturelles Gut begreift. »Das Erlebnis spricht alle Sinne an und ist ein eindrucksvolles Beispiel dafür, wie Genuss, Achtsamkeit und Nachhaltigkeit zusammenwirken können«, heißt es in der Ankündigung.
Internationale Vielfalt
Rund 90 Ausstellerinnen und Aussteller aus mehr als zehn Ländern präsentieren in der Tübinger Altstadt feinste Pralinen, Schokoladentafeln, Trinkschokoladen, Desserts und Confiserie-Produkte. Von belgischen Manufakturen über italienische Chocolatiers bis hin zu lateinamerikanischen Produzenten bietet der Markt ein breites Spektrum an Geschmacksrichtungen und Innovationen.
Viele Anbieter legen besonderen Wert auf Fairtrade, Transparenz in der Lieferkette und vegane Alternativen. Diese Stände sind im offiziellen Programm mit einem PETA-Vegan-Symbol gekennzeichnet. Neu ist in diesem Jahr der aktualisierte »Vegan Guide Tübingen«, der auf dem Marktplatz kostenlos erhältlich ist.
Rahmenprogramm: Kunst, Bildung und Genuss
Neben dem Schokoladenmarkt bietet die Chocolart ein abwechslungsreiches Rahmenprogramm. In der Familienbildungsstätte Tübingen können Kinder gemeinsam mit Eltern oder Großeltern in der Pralinenwerkstatt eigene Leckereien herstellen. Das Kino Museum zeigt Tim Burtons Filmklassiker »Charlie und die Schokoladenfabrik«.
Im Chocolate-Room auf dem Marktplatz können Besucherinnen und Besucher Chocolatiers live bei der Arbeit beobachten. Dort entstehen handgefertigte Spezialitäten wie der Choco-Lino-Schokoschaumkuss, Macarons aus dem Elsass und regionale Gebäckspezialitäten.
Neue Tasse und Lehrlings-Wettbewerb
Erneut gibt es eine Chocolart-Tasse, gestaltet von einem Illustrator mit Tübingen-bezogenen Motiven. Sie ist als Pfandtasse für 5 Euro bei allen teilnehmenden Ausstellern erhältlich. Der Erlös aus dem Tassenverkauf fließt direkt in das Mehrwegsystem des Choco-Markts - schließlich setzt man sich beim Aktionsbündnis »Müllarmes Tübingen« bewusst gegen Einweglösungen ein.
Auch der Nachwuchs kommt auf der Chocolart nicht zu kurz: Mehrere Lehrlinge aus Konditorei-Betrieben stellen ein Schaustück zum Thema »Tübingen« her. Die fertigen Werke entstehen am Dienstag, 2. Dezember, und Mittwoch, 3. Dezember, und werden anschließend im Rathausfoyer ausgestellt. (GEA)

