TÜBINGEN. Der Dampfmaschinentag am Tübinger Boxenstop-Museum lockt seit jeher viele Familien an. Und auch viele große Kinder, die sich auch im Erwachsenenalter noch für die kleinen Wunderwerke der Technik begeistern können. So wie etwa Wolfgang Bayer. Den Mittelstädter packte das Dampfmaschinenfieber so sehr, dass er in den 1980ern sogar eine eigene Dampfmaschine baute. »Drei Jahre habe ich daran getüftelt«, berichtet der 88-Jährige, der seinen Eigenbau nun in Tübingen bestaunen ließ. Kohlebefeuert liefert der Zweizylinder immerhin 1,5 Pferdestärken Leistung. »Zum Anheizen verwende ich Gas. Sobald der Hilfsbrenner sich starten lässt, wird die Maschine dann mit Kohle betrieben«, berichtet der 88-Jährige stolz. Alte Maschinen sind seine Leidenschaft - Bayer gehört auch zu den Ehrenamtlichen, die das Reutlinger Industriemagazin umtreiben. »Am Samstag haben wir wieder von 14 bis 17 Uhr geöffnet«, sagt er einladend.
Ebenfalls mächtig Dampf macht der Nürtinger Bernd Gruber. Der Mitarbeiter im Boxenstop-Museum, der auch große Dampflokomotiven steuern kann, bedient am Dampfmaschinentag den Dampftraktor »Emma«, der Kinder in einem Miniatur-Straßenbahnwagen über die Brunnnstraße zieht und dabei von zahllosen Eltern gefilmt und fotografiert wird. Dass »Emma« in diesem Jahr wieder an den Start gehen kann, ist indes ein kleines Wunder, wie Museumsleiter Rainer Klink erklärt. Denn beim letzten Dampfmaschinentag ging der Kessel des Dampftraktors in die Knie, verrostete Leitungen brachen und machten »Emma« quasi zum Totalschaden.
»In Augsburg haben wir einen Spezialisten gefunden, der Emma reparieren konnte«, berichtet Klinik, dessen großes Netzwerk bei der Suche nach einem Experten half. »Für jede technische Frage habe ich einen Bekannten, der eine Antwort geben kann.« Bis August dauerten die Reparaturarbeiten. »Ich habe schon nicht mehr dran geglaubt«, sagt der Museumsleiter ehrlich und freut sich: »Die Reparatur war teuer, aber das war es mir als Sammler wert.« Schließlich legt Klink großen Wert darauf, dass die Sammlerstücke in seinem Museum allesamt noch fahrbereit sind. Zumindest in der Theorie.

Unter aufgestellten Pavillons zeigten auch viele andere Dampfmaschinen-Freunde ihre kleinen Schätze und ließen die Maschinen laufen - vom Bootsmotor bis zum Karussell war alles geboten und wurde bewegt, gedreht und von der Dampfkraft angetrieben. Allerorts wurde gefachsimpelt, während Kinder sich von der Technik begeistern ließen. Allerdings: Der Schneefall machte dem Boxenstop auch einen kleinen Strich durch die Rechnung. »Viele sind dann lieber Schlitten fahren gegangen«, hat Klink einen Besucherrückgang beobachtet. Und auch viele Aussteller scheuten die Fahrt durch den Schnee: Von 40 angemeldeten Ausstellern kamen nur 20 in die verschneite Unistadt. (GEA)


