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Wieso die Minna-Specht-Gemeinschaftsschule Tiere hat

An der Minna-Specht-Gemeinschaftsschule gibt es ein großes Gehege mit Kaninchen und Hühnern

Luan Hasaj (von links) und Samir Nasser (rechts) mit Dominik Remiosch, einem der betreuenden Schüler aus Klasse 6 mit Huhn.  FOT
Luan Hasaj (von links) und Samir Nasser (rechts) mit Dominik Remiosch, einem der betreuenden Schüler aus Klasse 6 mit Huhn. FOTOS: ZMS Foto: Gea
Luan Hasaj (von links) und Samir Nasser (rechts) mit Dominik Remiosch, einem der betreuenden Schüler aus Klasse 6 mit Huhn. FOTOS: ZMS
Foto: Gea

REUTLINGEN. Im letzten Schuljahr hat unsere Klasse in einer Projektwoche mit den Lehrern Margarethe Kempe-Stebner, Rika Traoré, Daniel Henes und den Azubis der Firma Garten Moser für unsere Kaninchen und Hühner ein neues Gehege gebaut. Deshalb hatten wir die Idee, unseren Schulleiter Dr. Matthias Riemer zu unseren Schultieren zu interviewen.

 

ZMS: Wieso hat unsere Schule ein Tiergehege?

Matthias Riemer: Weil die Schüler hier ganz viel lernen können, zum Beispiel die Liebe zur Natur. Viele Kinder haben zu Hause ja gar keine Tiere, bei uns können sie einen Bezug zu Tieren bekommen. Sie erfahren, dass Tiere etwas ganz Tolles sind. Tierhaltung steht auch im Bildungsplan. Manche Schulen haben »einfache« Tiere, wie zum Beispiel Fische, die leichter zu pflegen sind. Uns war es aber wichtig, dass Schüler eine Beziehung zu den Tieren aufbauen können. Das fällt ihnen bei unseren Kaninchen und Hühnern leichter. Da können sie näher ran, sie direkt füttern und streicheln. Die Schüler, die Tierdienste übernehmen, lernen auch Verantwortung zu tragen. Die Schüler, die sich regelmäßig um die Tiere kümmern, sind stolz darauf, dass es bei uns Tiere gibt. Der Besuch bei den Tieren gibt ihnen Halt, sie können mal kurz aus dem Schulalltag aussteigen und bei den Tieren Ruhe finden. Die Tiere tragen auch zur Identifikation mit der Schule bei. Das ist schon etwas Besonderes, dass wir Tiere haben.

 

Was können die Schüler hier lernen?

Riemer: Neben der direkten Begegnung mit den Tieren lernen sie Themen aus Biologie im Unterricht direkt am Tier. Auch findet hier oft projektartiges Lernen statt, wie zum Beispiel letztes Jahr, als eure Klasse eine Woche lang ein neues Gehege gebaut hat. Dafür noch mal vielen Dank. Hier habt ihr sogar erste Grundkenntnisse im Handwerk erworben. Ihr habt Platten verlegt, wart als Landschaftsgärtner und Zimmerleute tätig. Manche haben sogar unter Aufsicht kleine Baufahrzeuge und Maschinen bedient. Es gibt auch immer Clubunterricht mit den Tieren oder im Schulgarten.

 

»Bei den Tieren können Schüler Ruhe finden«

 

Wer kümmert sich um die Tiere?

Riemer: Mehrere Gruppen wie der Garten- und Tierclub kümmern sich um die Tiere. Auch einzelne Schüler, Lehrer und Eltern machen gerne die Tierdienste. Die Dienste kommen täglich. Die diensthabenden Schüler dürfen in den Pausen auch Mitschüler in den Garten mitnehmen. Übrigens haben wir auch eine sehr positive Unterstützung von unserer Stadtverwaltung. Das ist wichtig für uns und wir freuen uns darüber. Wir haben auch einen Experten in der Elternschaft. Toll wäre es, wenn wir jetzt über den Förderverein eine Person anstellen könnten, die das Tiergehege mitbetreut. Dann wäre es für mehr Schüler möglich, die Tiere zu besuchen, zum Beispiel am Nachmittag. Die finanzielle Unterstützung wäre gegeben. Leider haben wir so eine Person noch nicht gefunden. Aber vielleicht meldet sich ja jemand, der den Artikel liest und uns hier gerne regelmäßig unterstützen möchte.

Bei den Projekttagen haben die Schüler der Minna Specht-Gemeinschaftsschule ein Gehege für ihre Schultiere gebaut.
Bei den Projekttagen haben die Schüler der Minna Specht-Gemeinschaftsschule ein Gehege für ihre Schultiere gebaut. Foto: Gea
Bei den Projekttagen haben die Schüler der Minna Specht-Gemeinschaftsschule ein Gehege für ihre Schultiere gebaut.
Foto: Gea

Was passiert in den Ferien mit den Tieren?

Riemer: Schüler, Eltern und Lehrer teilen sich das gemeinsam. Es gibt wöchentlich einen verantwortlichen Lehrer und Schüler, die sich um die Tiere kümmern, meist mithilfe der Eltern. Hinterher sind die Gehege immer in besonders gutem Zustand.

Gab es schon mal Probleme mit den Tieren? Waren sie schon einmal krank?

Riemer: Die Kaninchen waren letztes Jahr sehr krank. Sie hatten eine Blasenentzündung. Hier hat der Tierarzt Dr. Wagner ganz toll geholfen und sie sogar ohne große Rechnung tagelang versorgt. Die Schüler haben sie jeden Tag besucht. Leider konnten die Tiere dann erst mal nicht mehr draußen im Gehege bleiben. Dann haben die Kinder sie mit nach Hause genommen und dort gepflegt. Einmal gab es auch Beschwerden aus der Nachbarschaft, weil unsere Hähne krähten. Wir hatten ja damals selbst Eier ausgebrütet und dabei sind neben den Hühnern auch zwei Hähne geschlüpft. Leider mussten wir die dann abgeben, weil sich Anwohner beschwert hatten, die gerne schlafen wollten. Ich finde es ja toll, wenn der Hahn kräht, bei mir zu Hause ist auch einer in der Nachbarschaft, das vermittelt das Gefühl von Heimat. Hier hatte ich irgendwann Bedenken, dass jemand den Tieren etwas antun könnte.

 

Sind die Tiere kastriert?

Riemer: Bei den Hühnern gibt es erst mal keinen Nachwuchs, da wir ja keine Hähne mehr haben. Die Kaninchen sind alle kastriert. Die würden sich sonst unkontrolliert vermehren. Ich glaube ja, die Schüler fänden das toll ... Jetzt mit dem neuen Gehege könnten wir auch noch ein paar mehr vertragen, aber im Moment ist da nichts geplant.

Könnten Sie sich auch noch andere Tiere an der Schule vorstellen?

Riemer: Das könnte ich mir gut vorstellen, aber man braucht immer Personen, die sich darum kümmern. Zurzeit sind die beteiligten Lehrer und Schüler mit den Tieren beschäftigt, die wir haben. Aber wenn ein Kollege oder eine Kollegin sagen würde, mir ist eine bestimmte Tierart hier noch wichtig und ich würde mich mit meinen Schülern darum kümmern, dann wäre ich sofort dabei. Auch hier würde es uns helfen, wenn wir über den Förderverein eine Person anstellen könnten, die sich mit um die Tiere kümmert. Dann könnten wir auch noch mehr Tiere halten. Eine Schule in Tübingen hält zum Beispiel Ziegen. Man braucht da natürlich ein Konzept und muss mit vielen Menschen sorgfältig planen.

 

Dürfen die Grundschüler die Tiere auch besuchen?

Riemer: Zurzeit können die Grundschüler noch nicht alleine kommen, da wir keine Aufsicht für das Tiergehege haben und die Grundschüler ihren Pausenhof alleine nicht verlassen dürfen. Mit ihren Lehrern und Ganztagesbetreuern dürfen aber auch die Grundschüler die Tiere gerne besuchen, zum Beispiel im Rahmen eines Projekts oder im Unterricht.

Vielen Dank für das Interview, Herr Dr. Riemer.

Liebe Leserin, lieber Leser, wenn Sie Zeit haben und gerne mit Tieren und Schülern arbeiten möchten, melden Sie sich doch bitte beim Förderverein der Minna-Specht-Gemeinschaftsschule, um mit Schülern Tiere zu pflegen und im Schulgarten zu arbeiten. Wir freuen uns auf Sie. (ZmS)

 

Luan Hasaj und Samir Nasser, Minna- Specht-Gemeinschaftsschule Reutlingen, Klasse 7c

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