Logo
Aktuell Zeitung macht Schule

... und bloß nicht über Fußball reden

TÜBINGEN. Dieses Jahr hatte ich gemeinsam mit 15 weiteren Schülern die Gelegenheit, an einem Austausch teilzunehmen. Mitte dieses Jahres begann für uns das Abenteuer England. Eine Woche England, genauer gesagt Harrogate, eine Stadt vergleichbar mit Tübingen, im Norden Englands. Nachdem wir eine schöne und aufregende Woche mit unseren Austauschpartnern hier verbrachten, waren im Juni nun wir an der Reihe, uns auf die Reise zu machen.

Wie aus dem Bilderbuch: So schön ist Nordengland.  FOTO: ZMS
Wie aus dem Bilderbuch: So schön ist Nordengland. FOTO: ZMS
Wie aus dem Bilderbuch: So schön ist Nordengland. FOTO: ZMS

Wohnen im Naturidyll

Am 15. Juni ging es los. Bepackt mit großen Koffern trafen wir uns am Stuttgarter Flughafen. Um 19 Uhr startete unsere Maschine in Richtung Manchester. Nach zwei Stunden Flug landeten wir in Manchester. Nachdem unsere Lehrer uns nochmals ermahnt hatten, auf keinen Fall das Ausscheiden Englands bei der zu dieser Zeit laufenden Fußball EM zu erwähnen, betraten wir englischen Boden. Für mich sowie für fast alle zum ersten Mal. Doch unsere Reise war noch nicht zu Ende. Mit Zug und S-Bahn ging es weiter bis nach York.

Die Freude, unsere Austauschpartner wiederzusehen, war riesig. Nachdem ich meine Gastmutter kennengelernt hatte, trennte sich die Gruppe, und jeder fuhr mit seiner Gastfamilie in das eine Fahrtstunde entfernte Harrogate. Ich wohnte etwas außerhalb in der wunderschönen Natur Nordenglands. Ich hatte ein eigenes Zimmer und fühlte mich sofort wohl. Am nächsten Morgen lernte ich auch den Rest der Familie kennen, Hannahs Brüder, 11 und 3, und ihren Vater. Sie waren alle immer sehr nett und herzlich und ich habe sie bald in mein Herz geschlossen. Da Hannah nur ein paar Wörter und ihre Familie gar kein Deutsch konnten, lief die Konversation während der gesamten sieben Tage nur auf Englisch. Dies bereitete mir allerdings großen Spaß, da ich sehr gerne Englisch spreche und so mit der Verständigung keine Probleme hatte.

Nach dem Frühstück ging es mit dem Schulbus durch grüne Felder und schöne Seen Richtung Harrogate zur Schule. Im Bus lernte ich Hannahs Freunde kennen, die mir ebenfalls sehr nett begegneten. Die Schule, auf die wir gingen, heißt »Harrogate Grammar School«. Sie ist schon ziemlich alt und für uns Deutsche ziemlich verwirrend angeordnet. So kam es, dass ich nie genau wusste, wo ich war. Da in England Schuluniform getragen wird, fielen wir sofort auf (obwohl wir auf Anraten unserer Lehrer in gedeckten Farben gekleidet waren). So wurden wir überall angeguckt und mit Fragen quasi bombardiert.

Sitzt die Krawatte richtig?

Den Rest des Tages verbrachten wir in der Schule, wo die ersten Eindrücke über England und die jeweilige Gastfamilie ausgetauscht wurden. Nachdem wir unseren ersten Schultag hinter uns gebracht hatten, trafen wir uns zum Picknick in einem der zahlreichen Parks von Harrogate. Die Stadt ist weithin bekannt für das äußerst gesunde, anscheinend heilende aber doch ziemlich gewöhnungsbedürftige Schwefelwasser, dass wir in einem Museum probieren durften. Und auch für die Pflanzen und vielen Parks ist die Stadt bekannt. Da dort der optimale Mix zwischen Regen und Sonne herrscht, ist Harrogate sehr grün.

Der nächste Tag begann für uns wieder in der Schule. Nachdem wir die »Registration« überstanden hatten, trafen wir uns mit unseren Lehrern vor der Schule. In der »Registration« wird die Anwesenheit der Schüler überprüft und kontrolliert, ob alle Schüler ihre Schuluniform tragen, die Krawatte richtig lang ist und auch niemand Nagellack trägt. Eigentlich ist es auch verboten, geschminkt in die Schule zu kommen, aber das wird von den Schülerinnen nicht ernst genommen, sprich schlicht ignoriert. Unser Ausflug an diesem Tag ging zur »Bolton Abbey«, einer alten Klosterruine. Zum Schluss spielten wir noch ein Spiel, dass »Rounders« heißt und den meisten viel Spaß machte. Es ist so ähnlich wie Baseball.

Um einige Pounds leichter

Auch in den nächsten Tagen hatten wir viel Programm. Mittwochs schauten wir uns in Harrogate um. Donnerstags ging es nach Knareborough, einem kleinen Örtchen nahe Harrogate. Dort fuhren wir Boot und aßen bei »Subway« zu Mittag. Dies war eine ziemliche Herausforderung, da es ja auf Deutsch schon nicht ganz einfach ist, dort zu bestellen und die vielen Entscheidungen zu treffen. Nach einigem Nachfragen meisterten wir aber auch das.

Am Freitag schauten wir uns York an. Unter anderem das wunderschöne Minster und ein Wikingermuseum. Natürlich durfte dort eine Portion »Fish and Chips« nicht fehlen. Auch zahlreiche Souvenirshops und andere Läden wurden von uns unter die Lupe genommen. Zufrieden und um einige Pounds leichter kehrten wir abends aus York zurück.

Auch die Abende waren prall gefüllt. Zweimal verabredeten wir uns zum gemeinsamen Fußballgucken und lautstarkem Anfeuern der Nationalelf. Diese Abende waren immer sehr lustig, wir verstanden uns alle prächtig. Am Samstag war Familienprogramm angesagt, aber ein Großteil der Engländer hatte beschlossen, in einen Freizeitpark, »Light water Valley«, zu gehen. Trotz des Regens an diesem Tag ließen wir keine Achterbahn und keinen Looping aus.

Bohnen zum Frühstück

Am Sonntag machte ich mich nach einem leckeren English Breakfast - Spiegeleier, baked beans (Bohnen in Tomatensoße), bacon und Würstchen - auf zu einem langen Spaziergang. Es stürmte so stark, dass ich mich teilweise festhalten musste, aber Hannah meinte, das wäre nichts Besonderes. Am Nachmittag war es so weit: Der Abschied stand bevor. Er fiel uns allen sehr schwer - hatten wir uns doch so gut verstanden und einander ins Herz geschlossen. Mit einem mulmigen Gefühl und so manchen Tränen in den Augen fuhren wir ab. Nachdem wir den Abschied bewältigt hatten, stieg langsam aber sicher die Vorfreude auf zu Hause. In Manchester am Flughafen angekommen, nahm diese überhand und so war die Stimmung bald wieder gut. Mit dem Flug zurück in die Heimat ging das Abenteuer England zu Ende.

Für mich war dieser Austausch eine aufregende und wunderschöne Erfahrung. Ich würde es jederzeit wieder wagen, in ein fremdes Land und eine größtenteils fremde Familie zu gehen, da ich nur positive Erinnerungen daran habe. Alle Menschen, die ich in dieser Zeit kennen lernte, begegneten mir sehr freundlich und herzlich und ich habe in meiner Austauschpartnerin und ihrer Familie echte Freunde gefunden. So kann ich nur jedem raten, sich auf so etwas Tolles einzulassen und selbst Erfahrungen mit einem Austausch zu machen. (ZmS)



Jana Rebmann, Wildermuth-Gymnasium Tübingen, Klasse 9 a