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Ricciardi will den »schlafenden Riesen« SSV Reutlingen wecken

Leonard und Adi im Gespräch mit Giuseppe Ricciardi, dem sportlichen Leiter des SSV Reutlingen

Giuseppe Ricciardi ist als sportlicher Leiter das Bindeglied zwischen Vorstand, Trainer, Spielern und Spielerberatern.  FOTO: ZM
Giuseppe Ricciardi ist als sportlicher Leiter das Bindeglied zwischen Vorstand, Trainer, Spielern und Spielerberatern. FOTO: ZMS
Giuseppe Ricciardi ist als sportlicher Leiter das Bindeglied zwischen Vorstand, Trainer, Spielern und Spielerberatern. FOTO: ZMS

REUTLINGEN. Wir haben mit Giuseppe Ricciardi (34 Jahre) über seine fußballerische Laufbahn als Spieler, seine Aufgaben als sportlicher Leiter des SSV Reutlingen sowie seinen Zweitjob als Personaltrainer gesprochen.

 

ZMS: Was sind die wesentlichen Voraussetzungen, um im Profifußball zu bestehen?

Giuseppe Ricciardi: Es gibt kein Erfolgsrezept. Jeder hat seine Methode. Mein Leitspruch war und ist: Wille schlägt Talent. Das Optimum wäre, wenn ein Talent noch den Willen mitbringt, dann ist das optimal. Man muss alles für seinen Traum und seine Ziele geben, niemals aufgeben und versuchen, sich täglich zu verbessern und an sich zu arbeiten. Dazu gehört vor allem auch Disziplin, ein geregelter Tagesablauf mit ausreichend Schlaf und gesunder Ernährung. Auch oder gerade aus Rückschlägen kann man lernen und auch daran wachsen. Ich selbst hatte einige und kann heute sagen, dass diese mich geprägt und gestärkt haben.

 

Sie waren als Fußballprofi in verschiedenen hochklassigen Clubs unterwegs. Wie haben Sie Ihre Laufbahn begonnen? In welchen Clubs haben Sie gespielt?

Ricciardi:

Ich habe mit acht Jahren in meinem Heimatverein in Talheim begonnen, Fußball zu spielen. Danach wechselte ich zum SV 03 Tübingen, zum VfB Stuttgart und mit 16 Jahren zum Hamburger SV ins Internat. Dann spielte ich bei Hertha BSC und kam schließlich wieder zurück zum VfB Stuttgart II, der damals in der 3. Liga spielte. Später sammelte ich zwei Jahre Auslandserfahrungen in Zypern, die ich nicht missen möchte. Über weitere Stationen kam ich schließlich zum SSV Reutlingen. Erst als Spieler und Kapitän und heute als sportlicher Leiter der Fußballabteilung. Aus gesundheitlichen Gründen musste ich den Traum vom Profifußballer aufgeben, was mich jedoch nicht davon abhielt, weiter meiner Leidenschaft nachzugehen.

  

Derzeit ist die Oberligamannschaft des SSV sehr erfolgreich. Was sind die Aufgaben des sportlichen Leiters?

Ricciardi:

Schon in jungen Jahren wollte ich dem Fußballsport immer treu bleiben und konnte mir die Zukunft als sportlicher Leiter vorstellen. Glücklicherweise fragte mich eines Tages SSV-Vorstand Michael Schuster, ob ich den Job übernehmen möchte. Der sportliche Leiter ist das Bindeglied zwischen Vorstand, Trainer, Spielern sowie den Spielerberatern. Eine Hauptaufgabe ist das Scouting neuer Spieler. Ich schaue mir sämtliche Ligaspiele an und wenn ich glaube, einen passenden Spieler gefunden zu haben, nehme ich Kontakt auf und führe die ersten Gespräche. Am Ende der Saison werden die bestehenden Verträge auf Verlängerung geprüft.

 

Was macht im Moment den Erfolg des SSV aus?

Ricciardi: Das fing schon in der Vorbereitung an. Es ist ein Prozess. Wir wussten, dass der SSV eine Marke ist, ein schlafender Riese, den wir wieder wecken wollen. Wir wissen: Wir sind auf einem guten Weg, aber auch, dass der Weg nach oben auch ein langer werden kann. Die Mannschaft ist sehr kameradschaftlich, sie halten zusammen, sind ein Team und verstehen sich nicht nur auf dem Platz, sondern auch in ihrer Freizeit. Es ist ein großer Kader und jeder Spieler ist sehr wichtig. Das war auch ein Grund, dass wir nicht zurückgefallen sind, trotz einiger Herausforderungen, wie der Acht-Spiele-Sperre von Topstürmer Christian Gilles. Die Mannschaft hat eine starke Mentalität.

 

Was sind die mittel- und langfristigen Ziele mit dem Team?

Ricciardi: Wir sind im oberen Tabellendrittel. Da wollen wir uns festigen. Die Liga ist diesmal sehr ausgeglichen. Wir wollen unter den Top Fünf bleiben.

 

Was sind die wirtschaftlichen und finanziellen Voraussetzungen für die Umsetzung dieser Ziele?

Ricciardi: Was unseren Etat anbelangt, sind wir im unteren Drittel aller Teams. Das ist die Kunst, mit kleinen Mitteln, Großes zu schaffen. Wir sind regelmäßig auf der Suche nach Sponsoren und hoffen, dass wir durch die sehr guten Leistungen noch den einen oder anderen Sponsor finden können. Um gute Spieler holen zu können, brauchen wir eine gewisse Grundlage. Wir haben ein tolles Stadion und sehr gute Platzverhältnisse. Aber damit der SSV wieder ganz nach oben kommen kann, brauchen wir Verstärkung aus der Wirtschaft.

 

Sie wohnen in Leinfelden-Echterdingen, sind verheiratet und haben zwei Kinder. Bleibt da neben Ihren Aufgaben im Verein noch Zeit für andere Aktivitäten oder Hobbys?

Ricciardi: Wie gesagt, ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht. Einerseits bin ich mit voller Leidenschaft beim SSV Reutlingen, andererseits arbeite ich als selbstständiger Personaltrainer mit Kindern und Jugendlichen. Ich gebe mehrmals in der Woche Athletik- und Fußballtraining. Ich möchte die Spieler nicht nur spielerisch, sondern auch mental und in der Persönlichkeit nach vorne bringen. Es kommen Fußballer, ausschließlich über Mundpropaganda, aus verschiedenen Vereinen und unterschiedlichsten Spielklassen zu mir. Das Spannende ist zu sehen, wie sich die Spieler weiter entwickeln, wie sie ihre Ziele verfolgen und dass sie teilweise im Profisport ankommen. Ich tausche mich regelmäßig mit Beratern des Jugendfußballs aus. Das macht mir riesig Spaß. Da steckt mein ganzes Herzblut drin.(ZmS)

 

Leonard Roth und Adi Kaufmann, HAP-Grieshaber-Gymnasium Reutlingen, Klasse 9b

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