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Mit der Bratwurst in der Raucherecke

Was?! Du isst noch Fleisch?", fragte mich neulich eine Freundin entsetzt. So weit ist es nun also schon gekommen. Über wenige Themen wird bei uns wohl so viel und heftig diskutiert wie über Essgewohnheiten. Allein in Deutschland gibt es aktuell rund 7,8 Millionen Vegetarier. 1983 waren es nur etwa 70 000 "fleischlos Glückliche". Veganer gehen noch einen Schritt weiter, sie verzichten nicht nur auf Fleisch und Fisch, sondern auf jegliche Art tierischer Produkte. Demnach haben Eier, Käse, Honig und Co. im Haushalt eines "Pflanzenfressers" nichts zu suchen. Für strenge Veganer sind auch Leder und Fell ein Tabu. Muss ich also, um tierethisch korrekt zu leben nicht nur auf mein Frühstücksei verzichten, sondern auch noch barfuß gehen?

Wieso schränkt man sich aus freien Stücken denn derartig ein? Hauptgrund für viele ist die Liebe zum Tier. Dabei geht es nicht nur um das Töten von Tieren, sondern auch um die Produktionsbedingungen bei der Herstellung von Lebensmitteln. So weit, so richtig. Aber der Neandertaler in mir will einfach manchmal Fleisch oder zumindest ein Würstchen. Und dann noch auf die Milch im Müsli verzichten? Mal ehrlich, Sojamilch schmeckt mehr als gewöhnungsbedürftig!

Natürlich haben Veganer sehr gute Argumente: Klimatechnisch ist es wesentlich sinnvoller, Getreide selbst zu essen, anstatt es als Futtermittel zu verwenden. Auch aus gesundheitlicher Sicht hat vegane Ernährung Vorteile. Doch mittlerweile hab ich das Gefühl, dass Veganismus zur einzig richtigen Lebensweise geworden ist. Etliche Gruppen haben es sich zur Aufgabe gemacht, die »Tiermörder« aufzuklären und von ihrer Lebensweise zu überzeugen. Nicht mal mehr schimpfen darf man: Sogar »blöde Kuh« und »Sau« sind zum absoluten No-Go geworden! Ja, ich esse noch Fleisch, auch wenn das gerade vielleicht nicht mehr angesagt ist. Jeder soll selbst entscheiden dürfen, was er isst, sonst sehe ich mich schon bald mit meiner Bratwurst in der Raucherecke stehen. (ZmS)