Vergangenen Freitag berichtete Dieter Hallmann von der Energiegenossenschaft Ingersheim und Umgebung eG, wie sich dort der anfängliche Widerstand gegen ein Bürgerwindrad in breite Zustimmung verwandelte. Sehr eindrucksvoll erklärte er mit seinen Genossenschafts-Kollegen Mathias Orth und Jürgen Würth, wie Ängste vor Lärm, Wertverlust oder Naturbeeinträchtigungen durch sachliche Aufklärung, unabhängige Gutachten und persönliche Gespräche abgebaut werden konnten. In Ingersheim trägt das Windrad seit über zwölf Jahren zuverlässig zur Energieversorgung im Land bei und hat sich energetisch wirtschaftlich längst amortisiert.
Noch bemerkenswerter ist der Wandel in der Bevölkerung: Laut Hallmann unterstützen inzwischen über 70 Prozent der Bürger das Projekt, viele wünschen sich sogar ein zweites Windrad. Es wurde klar, dass das Windrad in der Gemeinde angekommen ist – von Kindern, die sagen: »Da ist das Windrad, da sind wir daheim!« bis hin zum Ingersheimer Slogan: »Windrad, Schloss, Kultur und Wein – Typisch Ingersheim«. Vor allem Jürgen Würth, der mit seiner Familie in nur 600 Meter Entfernung zum Windrad lebt, hat authentisch erzählt, dass es in seiner Familie weder Schlafstörungen noch gesundheitliche Beeinträchtigungen durch das Windrad gibt und dass das Windrad »einfach dazugehört«.
Die drei Herren aus Ingersheim machten deutlich, dass Vertrauen, Transparenz und eine klar befürwortende Haltung der Gemeinde entscheidend für den Erfolg waren. Wichtig war auch, die Menschen früh mitzunehmen, Bedenken ernst zu nehmen und Begegnungen zu schaffen – ob bei Infoabenden oder einfach bei einer »Roten Wurst und Glühwein« an der Baustelle.
Für Reutlingen ist dieses Beispiel ein ermutigendes Signal: Mit Geduld, Offenheit und lokalem Engagement kann auch hier aus Skepsis Zustimmung werden. Mit der Zustimmung des Gemeinderates zum Pachtvertrag ist damit ein wichtiger Schritt getan, dem aber noch viele, viele weitere folgen müssen, damit das Reutlinger Projekt auch ein Erfolg wird.
Angela Patka, Reutlingen
