Unseres Erachtens ist die Wildermuth-Trasse überflüssig, denn zahlreiche Gründe sprechen deutlich gegen ihre Umsetzung. Sie wäre nicht nur erheblich teurer im Bau (mit aktuell rund 18,4 Millionen Euro Mehrkosten gegenüber der alten Bahntrasse, Tendenz steigend), sondern würde auch dauerhaft hohe Instandhaltungskosten verursachen. Hinzu kämen zusätzliche Bau- und Unterhaltskosten für das geplante Mobilitätszentrum.
Darüber hinaus wäre die Bauzeit deutlich länger. Es wird außerdem zu längeren Fahrzeiten führen. Die Trasse würde zudem massiv in die Natur eingreifen und wertvolles Grün zerstören, darunter Kleingärten, den Wald unterhalb der Wildermuth-Siedlung et cetera. Nicht zuletzt führt ihre Nähe zu bestehenden Gebäuden zu einer Beeinträchtigung der Lebensqualität und birgt das Risiko von Gebäudeschäden während der Bauphase.
Die Bewohner der Wildermuth-Siedlung sind mit dem Bus besser angeschlossen, als sie es mit der Stadtbahn je sein werden. Sie können in der Wildermuth-Siedlung einsteigen und direkt in die Ortsmitte von Betzingen, zur Friedrich-Hoffmann-Gemeinschaftsschule und nach Reutlingen fahren. Um die Stadtbahn zu erreichen, müssen die Bewohner einen langen Fußweg zur Haltestelle Jettenburger Straße in Kauf nehmen. Nachdem sie am Betzinger Bahnhof angekommen sind, müssen sie einen weiteren Fußweg zur Ortsmitte oder zur Schule auf sich nehmen. Inwiefern ist das eine Verbesserung? Die Streckenführung über die Jettenburger Straße und die dort geplante Haltestelle führen voraussichtlich zu Verspätungen der Stadtbahn und erhöhen das Staurisiko erheblich.
Auch das Mobilitätszentrum am Betzinger Bahnhof mit Unterführung, Aufzug, et cetera wird viel Geld kosten. Und wofür? Wie viele Fahrgäste aus Ohmenhausen, Gomaringen... steigen in Betzingen nach Tübingen um? Dies wäre auch an der Haltestelle Bösmannsäcker möglich. Das Ziel der Stadtbahn muss es sein, die Menschen schnell und zuverlässig von A nach B zu bringen und das zu möglichst geringen Kosten, gerade angesichts der angespannten Haushaltslage von Bund, Land und Stadt. Deshalb Nein zur Wildermuth-Trasse – Ja zur alten Bahntrasse.
Gerlinde und Jürgen Speiser, Reutlingen
