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Aktuell Leserbrief

»Wannweil hat eine Meinung!«

Zu Kommentar »Was ist so toll daran, 50 zu fahren« und dem Artikel »In Wannweil bleibt’s bei Tempo 50«, 19. Oktober (per E-Mail)

Es ist schon so ein Kreuz, das mit der lieben Demokratie: Da gibt es ein Dorf im Ländle, das hat eine eigene Meinung zu Tempo 30 auf der Hauptstraße und das passt so manch einem, der vermutlich eher selten in Wannweil ist, so ganz und gar nicht. Da lassen sich einige, und damit meine ich die überwiegende Mehrheit dieser, ich zitiere: »Rückständigen«, nicht durch andere Ideologien (Greta-Populismus) indoktrinieren und sind nur für Argumente offen, die wirklich Sinn machen: Auf fast allen Straßen in Wannweil herrscht Tempo 30 und das ist gut so – nur auf der Hauptstraße eben nicht, da soll der Durchgangsverkehr möglichst zügig durch.

Da sich der Durchgangsverkehr mangels Alternativen durch Tempo 30 aber sicher auch nicht reduzieren lässt, würde es nur zu mehr Stau und durch ständiges Abbremsen/Anfahren zu mehr Abgasen, Feinstaub und Lärmbelästigung kommen – also zu einem insgesamt kontraproduktiven Effekt. Ab Kreisverkehr in Richtung Ortskern wird ohnehin in der Regel nicht schneller als 40 gefahren, da hier stets durch Abbieger, Ampeln oder Zebrastreifen automatisch die Geschwindigkeit reduziert wird – also nix mit »durch den Ort kacheln«. Tempo 30 als Lärmschutz: Dass der eine Nachbar mit der elektrischen Heckenschere jedes »Blättle« in Form bringt, der andere mit dem Laubbläser alles wegjagt und der nächste mit dem Zweitakter dem Rasen einen extremen Kurzschnitt verpasst, macht ebenso viel Sinn, wie sich erst ein Haus an der Hauptstraße zu kaufen, um dann völlig erstaunt festzustellen, dass es da Autoverkehr gibt und dann lauthals Tempo 30 einzufordern.

Es geht Ihnen, Herr Rittgeroth, doch überhaupt nicht um die Sicherheit der Menschen oder darum, sie vor Lärm zu schützen – siehe K’furt: Da gilt Tempo 30 auch dort, wo niemand wohnt (Real – Aldi), der Schutz der Radfahrer endet hier mit der Zuständigkeit und löst sich – wider besseren Wissens – an der Ortsgrenze im Nirwana auf. Auch dringend benötigte weitere Zebrastreifen für die sichere Straßenüberquerung bleiben unerwähnt. Zu all dem schreiben Sie nichts. Auch nichts zum Lärmschutz an Wannweils Himmel, an dem es in letzter Zeit zugeht, wie direkt neben einem Flugplatz. Zu den Linienmaschinen kommen noch kleine private Maschinen dazu, die mal nur so zum Vergnügen über Wannweil kreisen. Themen gäbe es genug.

Ihre Ausführungen lassen doch deutlich eine vorgefasste Meinung erkennen, und wenn andere sich Meinungen nicht aufdrücken lassen, dann nennen Sie sie rückständig. Wenn eine eigene Meinung zu haben und kooperativ nach Lösungen zu suchen für Sie bedeutet, rückständig zu sein, dann sind wir es doch schrecklich gerne – rückständig. Sie müssten wissen, dass Ihre aufgeführten Pro-Tempo-30-Argumente (sowie auch die Kontra-Argumente) unter Wissenschaftlern und Gutachtern sehr umstritten sind. Wenn Wannweil rückständig ist, interpretieren Sie Ihre Ausführungen etwa als »fortschrittlich«? Warum erwähnen Sie nicht die Gemeinden, die Tempo 30 nach ihren Praxiserfahrungen zurückgenommen (zum Beispiel aktuell die Hechinger Unterstadt) oder erst gar nicht eingeführt haben?

 

Elsa und Siegfried Lunter, Wannweil