Im GEA der vergangenen Wochen konnte man eine der vielzähligen Diskussionen und Abstimmungsergebnisse über die zukünftigen Stadtbahntrassen verfolgen. So auch in einem Reutlinger Bezirksgemeinderat. Erstaunlich war zu lesen, dass die alte Bahntrasse durch den Schamberg keine Zukunft hat, weil sie durch Streuobstwiesen verläuft. Es ist wohl für Bäume und Tiere nicht zumutbar, dass eine elektrifizierte Stadtbahn durch diese schöne Landschaft fährt.
Wo ist aber der Aufschrei oder besser gesagt das konsequente Vorgehen gegen die nicht konforme Nutzung dieser schönen Landschaft? Da werden Hütten gebaut, die eher einen Wohnhauscharakter haben, es entstehen Abstellplätze für Autos, Wohnwagen, Wohnmobile und Anhänger auf teilweise versiegelten Flächen, gewerblich Agierende lassen Holzlager entstehen oder nutzen die Wiesen als Lagerplatz, alte Bäume sterben ab oder werden umgesägt und keine neuen nachgepflanzt, verwahrloste Grundstücke mit Ruinen von Hütten zieren den Anblick, meterhohe Einfriedungen markieren deutlich die Grenzen. Die Aufzählung könnte weitergehen.
Es scheint aber, dass hier Hopfen und Malz verloren ist. Niemand stört sich daran oder vielleicht nur diejenigen, die ihre Streuobstwiese pflegen und alte Bäume durch neue heimische Sorten ersetzen. Deshalb wird es nach Ende der Stadbahnmarathon-Debatten Zeit, sich wieder um die vernachlässigten Themen zu kümmern. Dazu zählen auch Streuobstwiesen, denn sie dienen nicht nur Natur und Tier, sondern auch dem sonntäglichen Spaziergang der geplagten Menschheit, die sich in einer intakten Landschaft erholen kann. Umso mehr ist jetzt zu loben, dass die Kommunalpolitik und Verwaltung dem Wert des Kulturguts Streuobstwiese im Rahmen der Stadtbahnplanung wieder eine besondere Bedeutung zumisst. Auf die einzuleitenden Maßnahmen zum Wiederherstellen des eigentlichen Streuobstwiesen-Ursprungs darf man gespannt sein.
Frank Schmid, Betzingen
