Die Unterscheidung der Evangelischen Landeskirche in Württemberg zwischen einer »Segnung« und einer kirchlichen »Trauung« ist kleinlich und theologisch unredlich. Sie signalisiert gleichgeschlechtlichen Partnerinnen und Partnern, dass ihre Beziehung nicht als gleichwertig mit einer traditionellen Ehe angesehen wird. Viele betroffene Christinnen und Christen, die in gleichgeschlechtlichen Beziehungen zusammenleben, wenden sich ob solcher Diskriminierung verletzt und enttäuscht von ihrer Kirche ab. Kirchenmitglieder, die die Trauung gleichgeschlechtlicher Paare ablehnen, machen sich andererseits die Lieblosigkeit einer solchen Haltung meist nicht bewusst, weil sie wahrscheinlich kaum jemanden kennen, den dies betrifft.
Der GEA-Bericht über die gescheiterte Neuordnung der Trauung gleichgeschlechtlicher Paare in der württembergischen Landeskirche suggeriert einen Gegensatz, den es nicht gibt. Nach evangelischem Verständnis ist (im Unterschied zum katholischen) die kirchliche Eheschließung kein Sakrament, sondern ein Gottesdienst zur Segnung der Ehepartner anlässlich ihres Eheversprechens. So schreibt die Evangelische Landeskirche Bayerns auf ihrer Homepage: »Aus evangelischer Sicht gibt es keinen theologischen Unterschied zwischen der Trauung eines heterosexuellen Paares und der Segnung eines homosexuellen Paares. Bei beiden Feiern (…) empfangen sie den gleichen Segen des einen Gottes.« Als ich vor einigen Jahren von meiner Tochter und deren Ehefrau gefragt wurde, ob ich sie als evangelischer Pfarrer kirchlich trauen würde, habe ich dieser Bitte mit großer Freude bei Glockengeläut in einer Reutlinger Kirche entsprochen. Die pfarramtliche Urkunde für diese Trauung wurde von der bayrischen Heimatgemeinde der beiden ausgestellt. Zusammen führen sie heute mit ihren Kindern ein glückliches Familienleben. Denn eine kirchliche Trauung ist auch der Ausdruck von Gottes bedingungsloser Liebe und seines Segens für die Ehepartner – unabhängig von ihrer sexuellen Orientierung oder Identität. Als Vater mache ich die Liebe zu meinem Kind doch auch nicht davon abhängig, wen dieses liebt!
Am 1. Advent werden in der württembergischen Landeskirche die Synode und die Kirchengemeinderäte neu gewählt. Kirchliche Trauungen gleichgeschlechtlicher Paare werden von den evangelikalen Gruppen dieser Kirche mehrheitlich abgelehnt. Wem allerdings die Akzeptanz homosexueller Menschen in der Kirche und die Anerkennung von Trauungen gleichgeschlechtlicher Paare ein Anliegen ist, sollte unbedingt wählen gehen und den Kandidatinnen und Kandidaten seine Stimme geben, die sich für die Gleichbehandlung hetero- und homosexueller Menschen in der Kirche einsetzen.
Traugott Huppenbauer, Reutlingen
