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Aktuell Leserbrief

»Schienenersatzverkehr: Besser fragen«

Zum Leserbrief »Krise der Schilderindustrie« vom 13. Dezember (per E-Mail)

Herr Dr. Grasmück bemängelt die unzulängliche Wegweisung zum Schienenersatzverkehr (SEV), etwa im Reutlinger Hauptbahnhof. Dort ist die SEV-Wegweisung jedoch gut sichtbar angebracht, nämlich in der Unterführung zur linken Treppe hin und oben am Nebengebäude, wo es zu den Taxen und zum regionalen Omnibusbahnhof (Obf) geht. Des weiteren hängen SEV-Lagepläne in den Vitrinen.

Allerdings werden am Hauptbahnhof oft gleich zwei SEV-Haltestellen gebraucht (zum Beispiel eine hinter den Taxen, eine vorm Hotel). Das Problem ist, dass die SEV-Ziele öfter wechseln, je nachdem, welche Bahnstrecken gerade gesperrt sind; infrage kommen Bad Urach, Metzingen, Nürtingen, Tübingen und Stuttgart. Es ist nachvollziehbar, dass die Bahn nicht auf die wechselnden Ziele hinweist, sondern der Einfachheit halber nur auf »SEV«. Die digitale Anzeigetafel am Obf ist sowieso seit Jahren außer Betrieb. Im Zweifelsfall muss man fragen. Ganz andere Probleme gibt es in den SEV-Bussen selbst: Personal für den Ersatzverkehr ist Mangelware. Die erfahrenen Busfahrer werden auf »ihren« Linien ge-braucht, und wer fern der Heimat einen SEV-Bus lenkt, kennt oftmals weder das Straßennetz noch die deutsche Sprache. Viele Fahrer stehen unter Stress, und manche versäumen es, das Fahrtziel-Täfelchen rechtzeitig einzusetzen oder umzudrehen. Auch in diesem Fall fragt man sie sicherheitshalber nach dem Zielort. Hinzu kommt, dass manche Reisenden ohne Orts-, Deutsch- oder Lesekenntnisse die Zielangabe kaum lesen können. Ihnen nützen mehr Täfelchen wenig, sie müssen ebenfalls fragen. Aber in einem Punkt gebe ich Herrn Dr. Grasmück recht: Die Leute, die den Schienenersatzverkehr organisieren, kennen die Situation vor Ort oftmals nicht.

Das durfte ich aus berufenem Mund erfahren, nämlich von einem Busfahrer in Norddeutschland, der sich fallweise mit seinem Reisebus am SEV beteiligt, sobald er erfährt, dass Reisende stehen gelassen oder über einen weiten Umweg gekarrt werden sollen. Leider sind solche Helden selten.

 

Dr. Susanne Eckstein, Reutlingen