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Aktuell Leserbrief

»Rentner auf der Schlachtbank ihrer Bezüge«

Rente (per E-Mail)

Einige Leserbriefe sind schon ganz gut in der Sache, doch zu wenig in der Aufhellung des globalen Unrechts zwischen Rentnern und Pensionären abgedruckt worden. Dabei liegt mir fern, Pensionäre gegen Rentner auszuspielen, sondern Fakten in den Mittelpunkt zu rücken, die sich seit der Gründung der BRD 1949 etabliert haben. Daher will ich einige Punkte herausarbeiten, die sicher manchen Bezieher einer Rente sprachlos machen.

Nehmen wir einen Angestellten im Rathaus einer Stadt in der mittleren Laufbahn. Er sei Ressortleiter, damit meist Amtsrat und wird in einer Stellenanzeige mit der Besoldungsgruppe 12 in Baden-Württemberg im mittleren Dienst geführt. Er könnte ein Leiter des Amts für Soziales, Bürgerdienste, Personalmanagement oder auch der Bauhof sein.

Er soll im Planspiel nach 45 Dienstjahren ab 2026 in Ruhestand kommen. Was er dabei verdient, sei unwichtig, was auch jeder selbst nachlesen kann. Wichtig ist, wie hoch der Anspruch auf eine Pension ist, die sich nach seinem letzten Entgelt richtet. Kurz will ich zurückrufen, dass das Rentenniveau in Deutschland wie gut bekannt bei 48 Prozent des mittleren statistischen Einkommens liegt.

Beim Pensionär ist das anders. Wenn er nach 45 Dienstjahren in Pension geht, liegt sein Bezugspunkt bei 71,75 Prozent seiner letzten Besoldung! Das ist eine Differenz von 23,75 Prozent zu den Rentnern. Nebenbei bemerkt zahlt ein Beamter nichts in die Pensionskasse ein, das tut der Staat für ihn. Bei der Rente sind das immerhin aktuell 9,3 Prozent des Bruttolohns.

Jetzt kann der genannte Beamte (alles in der tiefsten Bezugsstufe 2) mit einem letzten Entgelt von gerundet 4.526 Euro ohne Kinder mit gerundet 3.150 Euro Bruttopension rechnen. Der Rentner muss fast noch gefunden werden, der da mithalten kann. Bei höheren Laufbahnen wie Richter und Hochschulprofessoren ist der Pensionsbezug noch erheblich höher.

Bei der Bundeswehr ist das noch krasser. Ein Offizier, beispielsweise Pilot, kann bereits mit 41 Jahren ohne jegliche Gesundheitsprobleme bei entsprechendem Abzug in Pension gehen, doch leben kann er von seiner Pension immer noch locker. Im aktuellen Streit um die Rente hieß es seitens Clemens Fuest, Präsident des Ifo Institut, in der Talkshow bei Maybrit Illner, dass das Rentenniveau von 48 auf 45 Prozent fallen soll, und zwar sofort. Dies könne mittels reduzierter Jahreszuwächse in der Rente geschehen. Nun frage ich alle Leser, ob das noch fair ist.

Fast 60 Milliarden alleine nur Steuern wurden den Rentnern in 2023 durch den Staat abgeknöpft. Und die Steuerlast auf Renten nimmt zu, denn bis 2040 hatte Kanzler Schröder durchgesetzt, sollen die Renten zu 100 Prozent besteuert werden. Ab gut 900 Euro Rente im Monat schlägt der Fiskus zu.

Fazit, es muss ein Gleichgewicht hergestellt werden zwischen Rentnern und Dienern des Staats, da darin enormer politischer Sprengstoff liegt! Alle Pflichtbeiträge für die Alterssicherung müssen in einen Topf gehen.

Nur Frau Bas und rau Wagenknecht hoben auf dieses Unrecht bisher ab. CDU und CSU scheint das nicht zu interessieren und es wird totgeschwiegen. So werden Rentner systematisch verprellt und niemand sieht das aus dem Blickwinkel in dieser Partei.

 

Joachim Steinmaier, Dettingen