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Aktuell Leserbrief

»Offensichtlich Wunschdenken«

Regional-Stadtbahn (per E-Mail)

Nachdem laut Artikel des GEA von März 2025 die Trassenführung Wildermuthsiedlung aus Kostengründen ausgesondert wurde, war ich persönlich – und ich denke, viele andere auch – mehr als erstaunt, dass diese Variante plötzlich wieder auf der Tagesordnung steht. Da fragt man sich, ob im vergangenen Zeitraum von circa sieben Monaten tatsächlich so viele positive Aspekte dazugekommen sind, welche eine Wiederaufnahme dieser teuren Variante rechtfertigen.

Vielleicht sind es die angenommenen Fahrgastzahlen. In einem Fall spricht man von täglich 600 Fahrgästen, welche die Stadtbahn mit der Trassenführung Wildermuthsiedlung nutzen würden. Diese Zahlen sind rein hypothetisch und entbehren jeglicher Grundlage. Hier handelt es sich offensichtlich um Wunschdenken.

Fakt ist, dass diese Variante gegenüber der Alten Bahntrasse um viele Millionen teurer wird. Zudem wird in die Natur eingegriffen und über die Julius-Kemmler-Straße/Ohmenhäuser- und Jettenburger Straße müssen trotz einspuriger Trassenführung drei zusätzliche Brückenbauwerke errichtet werden, damit diese Variante überhaupt realisierbar wird.

Brücken werden nicht in wenigen Tagen errichtet, sondern im günstigsten Falle in vielen Monaten erstellt. Dies hat zur Folge, dass es während dieser Bauphasen zu erheblichen Verkehrsbeeinträchtigungen im Ortskern und auf den Ortsdurchgangsstraßen kommen wird. Nicht nur der Einzelhandel, sondern alle An- und Bewohner von Betzingen würden unter diesen Umständen über Gebühr strapaziert. Betzingen steht schon jetzt vor dem Verkehrskollaps, insbesondere zu den Hauptverkehrszeiten.

Wenn die Stadtbahn schon sein muss, dann sollte neben einem kostengünstigen Konzept ein Plan entwickelt werden, welcher den Pendler schnell von A nach B bringt, ohne dass unnötig viele Haltestellen eingebaut werden. Niemand möchte eine Betzinger Sightseeing-Kurve drehen, sondern schnell am Ziel sein. Zu diesem Zweck wurde die Stadtbahn ursprünglich vor circa 30 Jahren geplant. Die Führung über die Alte Bahntrasse ist aus den vorstehend angeführten Gründen alternativlos und man kann sich nur wünschen, dass die Entscheidungsträger das genau so sehen.

 

Andreas Steimle, Reutlingen