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Aktuell Leserbrief

»Mehr Alternativen zum Auto bieten«

Luftreinhalteplan (per E-Mail)

Da warten die staugeplagten Reutlinger und diejenigen, die das Nadelöhr B313 (Konrad Adenauer-Straße, Lederstraße, Am Echazufer) täglich passieren müssen jahrzehntelang auf eine Ortsumfahrung. In der Hoffnung, dass sich die Verkehrssituation in Reutlingen dann endlich entspannt. Und kaum ist der Tunnel (insgesamt immerhin 130 Millionen Euro teuer) endlich eröffnet, und es zeichnet sich tatsächlich ein flüssigerer innerstädtischer Verkehr ab, fällt dem Tübinger Regierungspräsidium nichts Besseres ein, als den Verkehr mittels eines verschärften Tempolimits wieder auszubremsen.

Dass die Stadtverwaltung, allen voran Stadtplanungsamts-Chef Dvorak solche unkreativen Vorschläge mit Begeisterung aufgreift überrascht nicht. Gerade Herr Dvorak ist ja schon häufig als Autohasser aufgefallen. Dass ein Kraftfahrzeug bei 50-60 km/h im fünften Gang keineswegs mehr Schadstoffe ausstößt als bei 40 km/h, einem Tempo, welches die Autofahrer zum Runterschalten zwingt und zu einem höhertourigen Fahren führt – solche Überlegungen scheinen keine Rolle zu spielen.

Offenbar geht es stattdessen längst nur noch darum, den Menschen aus irgendwelchen ideologischen Gründen das Autofahren maximal zu erschweren. Dass die wenigsten davon sich aus Spaß an der Freude ins Auto setzen, sondern darauf angewiesen sind, gerade die vielen Pendler aus der ländlichen Umgebung, wird einfach ignoriert.

Ja, wir brauchen eine weitere Reduzierung der Verkehrsbelastung in der Reutlinger Innenstadt. Die Lösung sind aber nicht unkreative Maßregelungen des Individualverkehrs oder gar der Rückbau einer einmal für viel Geld geschaffenen Infrastruktur, sondern man müsste den Menschen endlich attraktive Alternativen zum Auto anbieten. Und genau in diesem Punkt hat die Stadt Reutlingen bis jetzt ihre Hausaufgaben nicht gemacht, wie man am Radwegnetz und dem veralteten Angebot an öffentlichen Verkehrsmitteln sehen kann.

Würde man beispielsweise das Busnetz so subventionieren, dass die Preise, die Taktzeiten und die Abdeckung der ländlichen Gebiete für die Menschen endlich attraktiver werden, statt das Geld in teils schikanös erscheinende Verkehrsberuhigungsmaßnahmen" mit fragwürdiger Wirkung zu stecken, wäre allen geholfen.

Dass die Taktik nicht funktioniert, die Autofahrer zum Umstieg auf öffentliche Verkehrsmittel zu motivieren, indem man den Autoverkehr immer unattraktiver macht, müsste das Regierungspräsidium eigentlich am heimischen Tübingen gelernt haben. Dort wimmelt es vor drastischen Tempolimits, Einbahnstraßen, verkehrsberuhigten Zonen und Durchfahrtsverboten und dennoch erstickt die Innenstadt täglich zu den Hauptverkehrszeiten im Verkehrschaos.

Mike Schmitt, Reutlingen