Nicht der Algorithmus ist das Problem – sondern die Kommunikation der Mitte. Die Studie ist aufschlussreich – doch der Eindruck, die Algorithmen würden »absichtlich« politische Ränder stärken, greift zu kurz. Es braucht keine Verschwörung der Algorithmen. Die Plattformen belohnen schlicht das, was starke Emotionen auslöst. Und genau das liefern AfD und Linke: klare Schuldige, einfache Botschaften, zugespitzte Dramaturgie.
Meine Meinung: Diese Parteien haben verstanden, wie Social Media funktioniert. Die politische Mitte hingegen kommuniziert häufig in komplexen, vorsichtigen und schwer zu verstehenden Argumentationsketten – demokratietheoretisch wertvoll, aber digital kaum sichtbar. So entsteht ein struktureller Nachteil für jene Kräfte, die eigentlich den gesellschaftlichen Zusammenhalt tragen. Wenn die Mitte gehört werden will, muss sie lernen, in sozialen Medien verständlich, bildhaft und mutig zu kommunizieren – ohne in die Radikalisierungslogik einzusteigen. Sonst überlassen wir die Aufmerksamkeit jenen, die am lautesten polarisieren.
Michael Sättler, Eningen
