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Aktuell Leserbrief

»Krise der Schilderindustrie erreicht Reutlingen«

Schienenersatzverkehr (per E-Mail)

Derzeit kann man den GEA keinen Tag aufschlagen, ohne irgendeine Hiobsbotschaft über die deutsche Wirtschaft zu lesen. Doch wo und wann wird dies im Alltag spürbar. Ganz klar: beim »Schienenersatzverkehr«.

Offensichtlich mangelt es in Deutschland, und insbesondere in Reutlingen, an ausreichend Herstellern, die in der Lage sind, simple Schilder mit Aufschriften wie »Zum Schienenersatzverkehr nach Stuttgart« zu produzieren. Außerdem scheint es akuten Mangel an DIN A4-Papier, Laminiergeräten und Saugnapfhaken zu geben. Insofern ist es nur verständlich, dass während der »nur« zweiwöchigen Sperrung einer der Hauptverkehrsachsen zwischen der Großstadt Reutlingen und der Landeshauptstadt Stuttgart rund um den Bahnhof keinerlei Hinweise, Beschilderung oder Vergleichbares zu finden sind, um Menschen, die morgens zur Arbeit wollen, den Weg zu weisen.

Immerhin wurden mit den wenigen verbleibendenden Papierblättern und Laminierfolien genau ein Schild pro Bus produziert und prominent rechts vorne im Fahrzeug platziert. Das bringt die Menschen, die da hektisch zum vorderen Busteil sich durchdrängeln, ins Gespräch. Immerhin etwas.

Bleibt nur noch eine Frage offen: Haben die Managerinnen und Manager, die diesen »Mangel« verwalten, in den vergangenen zwei Wochen brav den ÖPNV benutzt? Haben sie sich überlegt, welcher wirtschaftliche Schaden gerechnet in verlorener Zeit (Arbeits- und Lebenszeit) gerechnet auf die große Zahl an Berufspendlern entsteht? Da kommen mir begründete Zweifel.

 

Dr. Oliver Grasmück, Reutlingen