Erschrocken bin ich nicht über den Zustand des Dachs des Ratsgebäudes, sondern eher über die Äußerung der Gebäudemanagerin bezüglich des Witterungsschutzes während der Bauarbeiten. Sie findet das Satteldach, welches als Witterungsschutz dient, nicht besonders hübsch und man suche nach Möglichkeiten, dies »optisch ansprechender« zu gestalten.
Solange man sich in der Stadtverwaltung noch Gedanken über »optisch ansprechendere Gestaltungen« machen kann, scheint die Not im Stadtsäckel ja noch nicht allzu groß zu sein. Das Projekt kostet ja nur fast 6 Millionen Euro.
Die Stadtverwaltung, von der Spitze bis zum letzten Mitarbeiter, als auch manche Gemeinderatsfraktion sollten sich lieber Gedanken machen, wo können Gelder eingespart werden. Solange dort in den Köpfen noch die Mentalität verankert ist, es ist ja nicht mein Geld, das hier ausgegeben wird, wird sich an der finanziellen Situation der Stadt nichts ändern. Es kommt nicht darauf an, was optisch schön ist, sondern was erfüllt kostengünstig den Zweck.
Der Mehrheit der Einwohner der Stadt wird sich weniger über die Optik des Witterungsschutzes Gedanken machen, sondern eher über marode Schulen und Sporteinrichtungen. In der Stadtverwaltung und bei der einen oder anderen Gemeinderatsfraktion sollte man sich fragen, was würde ich tun, wenn es mein Geld wäre, dass hier ausgegeben wird. Solange dies nicht verinnerlicht ist, darf man sich nicht wundern, wenn einem die Wähler die Rote Karte zeigen.
Jörg Axamitt, Reutlingen
