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Aktuell Leserbrief

»Komplizierter geht es nicht!«

Zum Artikel »24,5 Millionen Euro zusätzlich« vom 20. November (per E-Mail)

Warum einfach, wenn’s auch kompliziert geht? Anstatt das naheliegende Gute zu suchen und zu finden, wird bei der Planung zur Regional-Stadtbahn in der Stadt Reutlingen alles getan, um die sinnigste Variante, die neue Bahn auf der bestehenden alten Bahntrasse fahren zu lassen, zu verhindern.

Bei der Vorstellung der Analysen zur Machbarkeit und zum Nutzenfaktor der drei Trassenvarianten in Reutlingen wurde das Problem der Querung der Karlstraße großgeschrieben. Nunmehr wird vom Reutlinger Stadtplaner die bisherige Planung, welche tatsächlich eine unsinnige Schleife um den Kronprinzenbau aufweist, als Problem aufgeführt. Ich habe mir nochmals die auf der Website des Zweckverbands veröffentlichten Lagepläne der Planungen angesehen und feststellen müssen, dass die Gartenstraßentrasse sowie die alte Bahntrasse nicht in das Gleisnetz des Reutlinger Hauptbahnhofes eingeleitet werden sollen, sondern vor dem Hauptbahnhof über die Parkplätze, die Bahnhofstraße, Karlstraße und Eberhardtstraße sowie das Postareal verlaufen sollen und die Variante alte Bahntrasse noch um eine weitere Schleife am neuen Landratsamt vorbei erweitert werden soll. Komplizierter geht es nicht!

Liebe Reutlinger Gemeinderäte und Verwaltungsspitzen, wie wäre es, die alte Bahntrasse einfach über zusätzliche Weichen auf dem Hautbahnhofsgelände auf die Gleise 1 und 2 einfahren zu lassen und dann Richtung Betzingen ebenfalls wie früher aus dem Hauptbahnhof ausfahren zu lassen? Dann noch die extra Schleife zum neuen Landratsamt aus der Planung herausnehmen und das Querungsproblem Karlstraße ist erledigt. Planungen können geändert und angepasst werden. Das spart der Stadt wie den Zuschussgebern erhebliche Kosten ein, deren Finanzierbarkeit bei den klammen öffentlichen Kassen eh in den Sternen steht.

Soll es in Reutlingen so weit kommen, dass ein Beschluss wie in Ludwigsburg getroffen werden muss? Pfullingen hat es vorgemacht; die alte Bahntrasse verbindet die Orte und Städte der Region schneller und effizienter als eine neue Straßenbahn durch den Ortskern, welche die Stadt durch ihre Gleise auf den Straßen mehrfach durchschneidet und die Innenstadt immer unerreichbarer macht.

Auch wenn die Bilder der Gartenstraßentrasse im GEA vom 20. November einen funktionierenden Shared Space vorgaukeln – jeder, der wie ich zeit seines Lebens in Reutlingen wohnt, weiß, dass das nichts werden kann. Allein die Kurven Gartenstraße-Lederstraße und Lederstraße-Am Echazufer verlangsamen die Geschwindigkeit des Bähnles derart, dass es unattraktiv ist, dieses als Pendler zu benutzen.

Von 1973 bis 2024 habe ich in der Ludwig-Finckh-Straße, die circa 50 Meter oberhalb der alten Bahntrasse liegt, in Reutlingen gewohnt und bin nach wie vor der Auffassung, dass sich diese in der Innenstadt befindet und nicht außerhalb.

 

C. Heinrich Winter, Reutlingen