Zuerst mit Erstaunen, im Verlauf jedoch mit immer mehr Entsetzen für das Geschehen, schaute ich mir die ARD/BR-Dokumentation »Ausgesetzt in der Wüste« (zu sehen bis 1. November 2026) in der ARD-Mediathek an. In der Doku wird gezeigt, wie in Tunesien (und in Marokko) systematisch Jagd auf Geflüchtete gemacht wird, um sie dann mit Bussen und Lkw in die Wüste zu fahren. Sie werden dort ohne Wasser und Nahrung ausgesetzt und mit Schlägen so traktiert, dass sie schlecht oder gar nicht mehr laufen können. Dies soll die Menschen an einer Rückkehr nach Tunesien hindern.
Zu sehen ist in dem Beitrag unter anderem ein Besuch von Ursula von der Leyen und weiteren Vertretern der Europäischen Union, in welchem sie mit dem aktuellen Machthaber von Tunesien einen Deal besiegeln, der »unter Wahrung der Menschenrechte« die Geflüchteten an einer Überfahrt Richtung Europa hindern soll. Hierzu fließen Milliarden aus der EU an Tunesien und aus Deutschland speziell über 30 Millionen Euro für Ausstattung und Ausbildung der Sicherheitskräfte.
Der EU und Deutschland ist das Vorgehen der nordafrikanischen Länder be-kannt, das wird in dieser Doku klar. Und auch nachdem andere Presseberichte den menschenverachtenden Umgang mit Geflüchteten öffentlich machten und international Empörung auslösten, bleibt der Deal bestehen und die Gelder fließen weiter.
Wir alle bezahlen dies mit unseren Steuern. Gerald Knaus, ein Berater der Bundesregierung in Sachen Migration, sagt in dem Beitrag: »Wir werden in dem Moment verantwortlich, wo wie dann diese Menschenrechtsverletzungen nicht nur in Kauf nehmen, sondern sogar sagen: Die, die diese Menschenrechtsverletzungen begehen, sind jetzt unsere Partner bei der Reduzierung der irregulären Migration – und zwar auf eine Art und Weise, wo wir nicht mehr genau hinschauen wollen.«
Flucht und Migration stellen uns in Deutschland, in Europa und weltweit zweifelsohne vor Herausforderungen. Aber ist das Verbringen schutzloser Menschen wirklich der Weg, den wir gehen wollen? Haben wir nicht der UN-Charta für Menschenrechte zugestimmt? Was sagen unsere Religion und unser ethisches Verständnis zu diesem Vorgehen in Nordafrika? Ich schäme mich!
Claudia Leippert, Lichtenstein
