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Aktuell Leserbrief

»Hoffen, dass Vernunft einkehrt«

Zum »Operationsplan Deutschland«, GEA-Ausgabe vom 3. November (per E-Mail)

Ein ungewohnter Anblick: der GEA vom 3. November mit Flecktarn-Fotos und den Themen »So wäre das tägliche Leben im Verteidigungsfall« beziehungsweise »Was wäre, wenn morgen Krieg ist«. Angefangen hat die Militarisierung in Reutlingen ja schon im Sommer 2022 mit einem Linienbus als Werbeträger für die Bundeswehr, weitergegangen ist sie bundesweit medial ab 2023 mit der Forderung nach »Kriegstüchtigkeit« an alle (»wir müssen«).

Völlig losgelöst von den politischen Hintergründen suggerieren die GEA-Artikel auf den Seiten 1, 3 und 9 schon durch ihre prominente Positionierung, die Flecktarn-Bebilderung und ihren Umfang, dass der Krieg direkt bevorsteht. Auch wenn der Text scheinbar nur »Was wäre wenn« fragt.

Angeblich möchten manche Bürger wissen, was konkret im Kriegsfall geschieht. Oder wird uns mit dieser Frage nur nahegelegt, den Krieg für unausweichlich zu halten, auch wenn er das nicht ist? Aus gutem Grund beschränkt sich das beschriebene Szenario auf einen konventionellen Krieg. Was man weder weiterdenken noch benennen mag, ist das qualvolle zigtausendfache Sterben nach einem Atomschlag. Aber auch angesichts der immer weitere Kreise ziehenden Militarisierung fehlen mir einfach die Worte – was da medial passiert, ist unglaublich. Und »unser« GEA mittendrin! Ein General wurde kürzlich gefragt, wie man sich als Normalbürger den Krieg vorstellen könne. Er antwortete, man solle mal eine Bahnreise machen, dann bekäme man ein Gefühl dafür. Vermutlich meinte er die teils gereizte, teils resignierte Stimmung im Zug und die tiefe Verunsicherung, weil nichts mehr korrekt funktioniert. Hinzu käme im Kriegsfall (wie der GEA richtig bemerkt), dass die Grundrechte je nach Bedarf außer Kraft gesetzt und die Leute ohnmächtig den Maßnahmen der Militärs ausgesetzt wären. Hoffen wir, dass Vernunft einkehrt und dieser Fall nie eintritt.

 

Susanne Eckstein, Reutlingen