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Aktuell Leserbrief

»Hoffen auf Verbesserungen«

Reutlinger Weihnachtsmarkt (per E-Mail)

Mit großem Erstaunen habe ich Ihren Artikel »Konkurrenz für die ganz Großen« am 9. Dezember gelesen, in dem der Reutlinger Weihnachtsmarkt »trotz kleiner Mängel« als überzeugend beschrieben wird. Als langjähriger Besucher kann ich diese Einschätzung leider nicht teilen. Wer über den Weihnachtsmarkt läuft, stellt schnell fest: Von rund 50 Verkaufsbuden sind lediglich etwa fünf bis sechs tatsächlich dem Kunsthandwerk gewidmet. Der überwältigende Rest besteht aus Essens- und Getränkeständen. Damit verliert der Markt zunehmend seinen ursprünglichen Charakter als Ort für weihnachtliche Atmosphäre, handwerkliche Besonderheiten und besondere Geschenkideen.

Auch die im Artikel gelobten »großzügigen Lücken« zwischen den Buden sind in Wahrheit kein Qualitätsmerkmal – sie wirken eher wie ein Hinweis darauf, dass offensichtlich zu wenige Aussteller, vor allem Kunsthandwerker, gewonnen werden konnten. Ein stimmiges, dichtes Marktbild sieht anders aus. Erschwerend kommt hinzu, dass der Shuttle-Service zum unteren Markt nicht mehr angeboten wird. Und überhaupt: Wo gibt es sonst zwei Weihnachtsmärkte, die rund 300 Meter voneinander entfernt liegen? Statt ein einheitliches, einladendes Gesamterlebnis zu schaffen, wirkt alles zerteilt und wenig durchdacht.

Eine positive Ausnahme gibt es immerhin am Albtorplatz: Im Nikolausdorf sorgt ein DJ für gute Stimmung – doch ein einzelner Lichtblick kann das grundsätzliche Problem nicht ausgleichen. 2026 soll die Marktorganisation neu ausgeschrieben werden. Man kann nur hoffen, dass diese Neuaufstellung Chancen für Verbesserungen bietet und der Reutlinger Weihnachtsmarkt wieder zu dem vielfältigen, stimmungsvollen Erlebnis wird, das sich viele Bürgerinnen und Bürger wünschen.

 

Mario Stolp, Reutlingen