Logo
Aktuell Leserbrief

»Helfen nicht schwerer machen«

Zum Artikel »Die große Böllerkontroverse« vom 29. Dezember (per E-Mail)

Wie den meisten Menschen, die sich für ein Böllerverbot aussprechen, geht es mir hier um privates Feuerwerk und nicht um solches, das bei Veranstaltungen wie zum Beispiel dem Konstanzer Seenachtfest oder auch in Freizeitparks stattfindet.

Contra Verbot: Einschränkung persönlicher Freiheitsrechte. Nun können die meisten Menschen das ganze Jahr ihre privaten Feiern ohne Feuerwerk abhalten und sind trotzdem glücklich. Was passieren kann, wenn man sich ein privates Feuerwerk leisten kann, hat uns der Fall Göggel im Juli 2022 eindrucksvoll bewiesen. Im Grundgesetz Artikel 2 steht außerdem: »Jeder hat das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit.« Zahlen, wie viele Tote und Verletzte es auch dieses Jahr wieder gibt, reiche ich gerne nach, sobald diese bestätigt sind.

Contra Verbot: Verlust kultureller Tradition und emotionaler Bedeutung. Traditionen verschwinden und neue werden geschaffen. Das ist der Lauf des Lebens. Jede Generation übernimmt im besten Falle die guten und lässt die schlechten zurück. Lange Zeit war es Tradition, dass überall geraucht wurde. Ja, liebe jüngeren Leser, selbst im Flugzeug und im Büro. Auch hier gilt die Priorität dem Allgemeinwohl. Silvester ohne privates Feuerwerk ist trotzdem nicht nur ein Datum; es ist das, was wir daraus machen. Vielleicht wird eine neue Tradition, dass Familien und Freunde jedes Jahr in eine andere Stadt fahren, um sich dort gemeinsam eine professionelle Drohnenshow anzuschauen.

Contra Verbot: Ein Verbot trifft auch die Falschen. Dass es weniger Opfer gibt, wenn es weniger Einwohner an sich sind, ist klar. Und nein, das ist kein reines Stadtproblem! Als der Böllerverkauf startete, war es ab Einbruch der Dunkelheit nicht mehr ruhig und meine Hündin fortan in Alarmzustand. Wir wohnen auf der Albhochfläche, nicht in der Stadt! Wenn man in Gesellschaft lebt, und zwar in einer Demokratie und nicht in Anarchie, wie manche das wohl meinen, dann wird es immer Regeln und Gesetze geben, die es für den einen oder die andere nicht bräuchte, für Viele aber schon.

Contra Verbot: wirtschaftliche Belastung. Würden mehr professionelle Feuerwerke und dazugehörige Veranstaltungen stattfinden, wäre das mindestens ein Ausgleich, vermutlich sogar Gewinn, weil die ganzen Kosten für Polizei-, Feuerwehr- und Rettungseinsätze minimiert würden. Ebenso sänken die massiven Kosten für medizinisches Personal und Behandlungen.

Contra Verbot: schwierige Durchsetzung durch Behörden. In der ersten Verordnung zum Sprengstoffgesetz § 23 kann nachgelesen werden, dass das Abbrennen von Pyrotechnik (...) am 31. Dezember und 1. Januar eine Ausnahme ist und nicht die Regel. Ja, Gesetze lassen sich nicht so einfach umschreiben, aber das Datum kann geändert werden.

Kontrollen braucht es weniger, wenn wir davon ausgehen, dass die wenigsten Menschen deshalb kriminell werden oder wie war das mit den unschuldigen Familien? Außerdem hat die Polizei dann mehr Zeit, weil sie nicht in jeder Stadt bürgerkriegsähnliche Situation unter Kontrolle bringen muss.

Zum Schluss geht mein Dank an all jene, die nicht mit ihren Freunden und Familien feiern konnten, weil sie für unser aller Wohl und Sicherheit im Einsatz waren. Sollten wir nicht alle versuchen, ihnen das Leben und Helfen nicht noch schwerer zu machen?

 

Melanie Staneker, Engstingen