Der Schönbuch wird als Naturpark vermarktet, tatsächlich ist er ein wirtschaftlich bewirtschafteter Forst mit angeschlossener Jagdindustrie. Was hier unter dem Schlagwort »Wald vor Wild« betrieben wird, ist keine Ökologie, sondern Interessenpolitik.
Rotwild wird systematisch zum Problem erklärt. Verbiss dient als universelle Begründung für Abschusszahlen, die sich nicht an ökologischen Zusammenhängen orientieren, sondern an forstlichen Renditezielen. Dabei wird verschwiegen, dass der Verbiss maßgeblich durch menschliche Eingriffe verursacht wird: Monokulturen, künstliche Fütterung, Wildlenkung und dauerhafte Beunruhigung des Wildes.
Förster fahren täglich in die Fütterung, konzentrieren das Wild, vertreiben es wieder und präsentieren anschließend die daraus resultierenden Schäden als Beweis für »zu hohe Bestände«. Fotografen, Naturfreunde und die Tiere selbst werden zu Sündenböcken erklärt, während das System unangetastet bleibt.
Der Slogan »Wald vor Wild« ist zur ideologischen Keule geworden. Er legitimiert alles: intensive Bejagung, Verdrängung natürlicher Wildbestände und die Reduktion von Natur auf Holzproduktion. Das Wild wird nicht gemanagt, es wird beseitigt – im Namen eines Naturschutzes, der diesen Namen nicht verdient.
Ein Naturpark, der Wildtiere primär als Schadenfaktor betrachtet, ist kein Naturpark. Er ist ein Produktionsraum mit grünem Anstrich. Der Hirsch im Schönbuch ist kein Symbol gesunder Natur, sondern Mahnmal einer Politik, die Profit über ökologische Verantwortung stellt.
Wer Natur sagt und Profit meint, betreibt Täuschung. Wer Naturschutz fordert und gleichzeitig das Wild systematisch dezimiert, handelt widersprüchlich. Und wer den Schönbuch weiterhin als Naturpark bezeichnet, sollte den Mut haben, ehrlich zu sagen, wessen Interessen hier tatsächlich geschützt werden.
Bernd Reuter, Reutlingen
