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Aktuell Leserbrief

»Es ist ein Affront«

Zu den Leserbriefen »Entscheidung akzeptieren« und »Die Fakten sprechen für sich« vom 2. Januar (per E-Mail)

Herrn Jürgen Mayer möchte ich für seinen Leserbrief »Entscheidung akzeptieren« vom 2. Januar ausdrücklich danken. In sehr sachlicher Weise hat er noch einmal die Fakten aufgeführt, die nach langem Ringen dann am Schluss auch dazu geführt haben, dass eine deutliche Mehrheit im Stadtrat für die viel mehr Vorteile bietende alte Bahntrasse gestimmt hat.

Ich glaube, keine politische Entscheidung in Pfullingen wurde jemals ausführlicher und transparenter diskutiert, zahllose Sitzungen und Informationsveranstaltungen fanden statt. Es ist ein Affront, sowohl gegen die ehrenamtlichen Stadträtinnen und Stadträte, die es sich unter hohem persönlichen Einsatz wirklich nicht leicht gemacht haben, zu einer für die Stadt guten Entscheidung zu gelangen – als auch gegen unser demokratisches System allgemein, wenn vonseiten der in einer Bürgerinitiative (BI) zusammengeschlossenen Anlieger von »rechtswidrigem Beschluss« und ähnlichen pauschalen Anwürfen geredet wird. Aber auch beim Leserbriefschreiber Schneider, einem der führenden Köpfe in der Bürgerinitiative, die den demokratisch gefassten Beschluss des Stadtrats aus Eigennutz aushebeln will, möchte ich mich deshalb bedanken, weil er in seinem Eifer nicht bemerkt hat, dass er die besten Argumente für die alte Bahntrasse geliefert hat.

Denn die Schallimmissionen sind ja überall dieselben. Wenn das alles so im Stillen abgeht, gibt es für die Anlieger doch keinen Grund, gegen die alte Bahntrasse zu sein. Wie bereits ausgeführt, besteht die Bürgerinitiative vorwiegend aus Anliegern der alten Bahntrasse, die jetzt so tun, als ob es ganz neu wäre, dass hier mal wieder ein Zug fährt. Für sich empfinden sie es als Belästigung, dass an ihrem Anwesen ein Zug vorbeifährt, muten es aber den Bewohnern und Geschäftsinhabern entlang der alten B 313 ohne mit der Wimper zu zucken, zusätzlich zum anderen Verkehr, zu. Dabei ist doch offensichtlich, dass auf der Bahntrasse viel mehr für einen zusätzlichen Schallschutz getan werden könnte. Auf der alten B 312 gibt es diese Option überhaupt nicht. Ganz zu schweigen von den komplett wegfallenden Parkplätzen, die für die Geschäftsinhaber dort überlebenswichtig sind. Seine eigenen Interessen zu vertreten, ist legitim. Dies jedoch zu verschleiern und so zu tun, als ginge es um Verkehrspolitik und dann Mitbürgern Dinge zuzumuten, die man selbst nicht will, ist schlicht und einfach unsozial.

Während man in vielen Städten inzwischen bemüht ist, die verschiedenen Verkehrsarten (Fußgänger, Radfahrer, Omnibusse, Automobile et cetera) zu trennen, weil es für die jeweiligen Nutzer die Attraktivität erhöht und die Unfallgefahren minimiert, gibt es in unserer Stadt Menschen, die, wie wir gesehen haben, aus sehr fadenscheinigen Gründen genau den entgegengesetzten Weg gehen wollen. Damit werden aus reinem Eigennutz sowohl städtebauliche als auch zukünftige verkehrspolitische Entwicklungen torpediert. Und das sollte sich niemand, der an unserer Stadt wirklich interessiert ist, gefallen lassen.

 

Walter Fromm, Pfullingen