Mit Verwunderung habe ich den Bericht der Interessengemeinschaft Innenstadttrasse gelesen. Bereits der erste Satz »Der Zug fährt an den Pfullingern vorbei« hat mich erstaunt.
Fakt ist: Er fährt an der Innenstadt vorbei – und das in rund fünf Minuten Gehzeit. Ob Innenstadt- oder alte Bahntrasse: Stadtteile wie Seitenhalde oder Ahlsberg bleiben ohnehin abgehängt. Hier braucht es unabhängig von der Trassenfrage ein schlüssiges Anbindungskonzept.
Die Annahme, Fahrgäste würden in Pfullingen zum Einkaufen aussteigen, halte ich für Wunschdenken. Dafür gibt es schlicht zu wenige Einzelhändler, zudem ist das Angebot in Reutlingen deutlich größer. Auch der Verweis auf das Votum des Jugendgemeinderats greift aus meiner Sicht zu kurz. Ich erinnere mich, dass es dabei vor allem darum ging, die Bahn näher an die Schulen zu bringen, da der Weg als zu weit oder zu unsicher empfunden wurde. Wir sprechen hier jedoch von fünf bis zehn Minuten Gehzeit bei der alten Bahntrasse. Diese Entfernung ist zumutbar. Worin zudem die Unsicherheit liegen soll, erschließt sich mir nicht.
Erneut wird das Argument der Zerstörung eines stark frequentierten Naherholungsgebiets und das Fällen von 500 Bäumen angeführt. Dabei wird jedoch ausgeblendet, dass bei einer Innenstadttrasse rund 140 Parkplätze wegfallen würden. Diese werden sowohl von Anliegern als auch vom Einzelhandel für Kunden aus den Randlagen dringend benötigt – und wären unwiederbringlich verloren. Aufforstungen entlang der alten Bahntrasse bieten dagegen zumindest gewisse Ausgleichsmöglichkeiten.
Es gibt zahlreiche sachliche Gründe, die für die alte Bahntrasse sprechen, wie ich auch bei einer Informationsveranstaltung erfahren konnte: freie Fahrt für Rettungsdienste, keine zusätzliche Verkehrsbelastung des Zentrums, geringere Folgekosten für die Stadt und höhere Fahrgastzahlen. Die meisten Fahrgäste wollen zügig von der Alb nach Reutlingen oder Stuttgart gelangen – nicht mit einer Stadtbahn mit zahlreichen Haltestellen durch das Zentrum fahren.
Der demokratisch gewählte Gemeinderat hat sich für die alte Bahntrasse entschieden. Das sollte akzeptiert werden. Andernfalls besteht die Gefahr, dass sich eine neue Interessengemeinschaft gründet – und das Spiel von vorne beginnt.
Jürgen Mayer, Pfullingen
