Zum Auftakt des Wahlkampfformats »Bühne frei« war Manuel Hagel im Gespräch mit Markus Söder in der Stadthalle in Nagold. Bei den Herren ging es auch um Migration. Genauer um die 2015 nach Deutschland Geflüchteten aus Syrien. Hagel meint: »Jetzt, wo der schreckliche Krieg in Syrien geendet hat, ist es auch Zeit für die Heimreise.« Erstens ist der Bürgerkrieg in Syrien nicht beendet. Täglich gibt es Tod bringende Anschläge. Zerstörung und Versorgungslage sind katastrophal, wie auch Hagels Parteikollege Wadephul nach einem Besuch feststellte.
Zweitens ist das Wort »Heimreise« völlig deplatziert. Flucht ist kein Ausflug oder Kurztrip. Flucht beinhaltet drei Schritte. Zuerst fällt die schwere Entscheidung, alles zurückzulassen, um sein Leben in Sicherheit zu bringen. Dann folgt ein monatelanges Unterwegssein, skrupellosen Schleppern ausgesetzt, dem Meer in seeuntauglichen Booten, konfrontiert mit Grenzsoldaten, die jegliches EU-Recht ignorieren. Ist dies geschafft, beginnt das Ankommen. Asylverfahren, Sprachtests, Abschlüsse aus dem Herkunftsland anerkennen lassen oder hier Schulabschlüsse bewältigen, eine Ausbildung machen oder Arbeit finden, Wohnraum finden… Das ist eine Leistung, die Respekt verdient hat – und Zeit braucht.
Den 2015 angekommenen Menschen begegnen wir heute in Arztpraxen, Krankenhäusern, bei Pflegediensten. Sie reparieren unsere Autos oder backen unsere Brötchen, holen unseren Müll ab oder chauffieren uns in Taxi, Bus oder Bahn. Sie sind Nachbarn oder Freunde und längst in der Gesellschaft angekommen. Hat das Herr Hagel nicht mitbekommen? Und wer hat ihm das zynische Wort »Heimreise« eingeflüstert? Ist das jetzt die CDU-Vokabel für Remigration? Mir wird himmelangst, wenn ich mir vorstelle, dass dieser Mann vielleicht Ministerpräsident wird. Ein Ministerpräsident, der »unser Land wieder in Ordnung bringen und den Zustand von vor 2015 wiederherstellen« will. Wessen Land ist »unser« Land? Der Deutschen? Der Schwaben? Und wer hat welche Ordnung durcheinandergebracht? Wie rückwärtsgewandt ist er? Ich vermisse Kompetenz und Weitblick. Dies ist brandgefährlich und beängstigt mich.
Susanne Sauer, Bad Urach
