Logo
Aktuell Leserbrief

»Das sind schon krasse Unterschiede«

Zum Artikel »Rentenstreit wird Dauerbrenner« vom 25. November (per E-Mail)

Als ich vor etwas mehr als drei Jahren altersentsprechend die ersten Rentenbezüge erhielt (mit 66 Jahren und nach knapp 40 Jahren Einzahlung in das Rentensystem), lag mein Rentenbescheid, trotz jahrzehntelanger hundertprozentiger beruflicher Einbindung, bei 1.238 Euro brutto! Seither beschäftigt mich das Zweiklassensystem bezogen auf Renten: Ruhegehalt von Arbeitnehmern, die in die gesetzliche Rentenkasse einbezahlt haben, versus Pensionen (Ruhegehalt von ehemaligen Beamten aus dem öffentlichen Dienst).

Angeregt durch den Leserbrief von Frau Czerwinski vom 22. November, für den ich mich recht herzlich bedanken möchte, fühle ich einen Ansporn, ihre beschriebene Thematik tatkräftig zu unterstützen. Tatsächlich meinen derzeit Bundestagsabgeordnete aus der Jungen Union, ein Wahlversprechen der Koalition mit ihren Gegenstimmen im Bundestag zu blockieren. Ja bravo! Im Koalitionsvertrag haben CDU, CSU und SPD vereinbart, die Haltelinie für das Rentenniveau bei 48 Prozent bis 2031 zu halten.

Ausgerechnet Bundestagsabgeordnete aus der Jungen Union, die nie in irgendein Rentensystem einzahlen, stattdessen der Staat für ihre zukünftigen üppigen Pensionen aufkommen werden wird (also der Steuerzahler), wagen es, womöglich die Koalition mit ihrem Veto platzen zu lassen. Das wäre ein fatales Signal! Eine bestimmte Partei reibt sich schon jetzt die Hände ob des voraussichtlichen Stimmengewinns!

Kennen diese Abgeordneten überhaupt die Realität vieler in der Bundesrepublik lebenden Menschen? Der reguläre Renteneintritt liegt derzeit bei über 66 und wird bis 67 Jahre ansteigen! Nach 45 Versicherungsjahren kommen Menschen im Schnitt auf eine Rente von 1.600 Euro brutto! Die Beamtenpensionen liegen zurzeit bei 3.200 Euro brutto! 80 Prozent der in den Ruhestand wechselnden Beamten nehmen ihre Pensionsansprüche vorzeitig in Anspruch!

Anstatt weiterhin nur Scheindebatten (Stadtbild, Brandmauer) zu führen, um die eigentlichen Probleme unseres Staates nicht angehen zu müssen, und ewig von Bürokratieabbau zu reden und kaum Taten folgen zu lassen, wäre es endlich geboten, wirklich etwas gegen die Wohnungsnot zu unternehmen (mittlerweile zählen eine Million Menschen in unserem Land als Wohnungslose) oder die unglaublich hohen Energiekosten und ständig steigenden Lebensmittelpreise von einer nur in Deutschland so hohen Steuerlast zu befreien.

Vor allem tut es richtig weh, die finanziellen Katastrophenmeldungen fast ausschließlich auf die Rentnerinnen und Rentner (wir sind zu viele) abzuwälzen! Eine wunderbare Geste täte in diesem Hick Hack gut, wenn gerade die vom Staat Privilegierten etwas beisteuern würden, um die Schere zwischen Arm und Reich nicht noch größer werden zu lassen.

Das scheint aber kein Thema zu sein, denn alle, die die Gesetze beschließen, sind ja Beamte! Leider ist das Medieninteresse, diese Ungerechtigkeit aufzudecken, überschaubar.

Nun hat Verdi (Gewerkschaft: öffentlicher Dienst, angeschlossen daran sind Beamte und Pensionäre) erneut zum Kampf für höhere Löhne aufgerufen. Sie fordern 7 Prozent mehr Lohn! Wenn auch nicht ganz so hohe Ergebnisse zu erwarten sind: Ungefähr 7 Prozent von einer durchschnittlichen Beamtenpension, gegenüber 3,7 Prozent bei einer durchschnittlichen Rente von 1.600 brutto (voraussichtlich ab Juli 2026), das sind schon krasse Unterschiede! Warum sind wir so leise!

 

Astrid Jochens, Pfullingen