Logo
Aktuell Leserbrief

"Befürchtungen lösen sich auf

Zum Artikel »Kräftiger Gegenwind aus dem Süden« vom 7. November (per E-Mail)

Die Ortschaftsräte von Ohmenhausen, Gönningen und Bronnweiler sind sich einig: Windkraft ist nötig, aber nicht vor »unserer Haustüre«. Das ist eine verbreitete Haltung. Sie liegt an dem Ungewissen, über das, was kommt. Es wird von den schlimmsten Folgen ausgegangen. Erfahrungsberichten zufolge lösen sich solche Befürchtungen meist auf, wenn die Windanlage steht. Von den Herstellern wird viel getan, um Lärm, Infraschall und Vogelschäden zu vermeiden. Dazu gehören die Form und Verstellbarkeit der Rotorblätter, KI-Überwachung, automatische Abschalteinrichtungen und gründliche Voruntersuchungen. Sollten Gutachten, die erst nach der Zustimmung des Gemeinderats erstellt werden, zeigen, dass der Standort Probleme für die Anwohner macht, wird das Projekt eingestellt.

Die Räte der drei Gemeinden fragen sich, warum bei uns? Warum nicht woanders? Weil sich die Bewohner der Albgemeinden fragen: Warum sollen wir die Windräder von Reutlingen vor der Nase haben? Hauptargument gegen die Räder sind die Geräusche, die jeder Mensch unterschiedlich wahrnimmt. Wir leben in Zeiten von Lärm: Autos, Musik und Baulärm akzeptieren wir, obwohl dieser Lärm objektiv gemessen viel lauter ist als die Geräusche von Windrädern. So fragen sich die Reutlinger, warum fahren Bronnweiler, Ohmenhausener und Gönninger mit dem Auto statt mit dem Bus durch die Stadt und erhöhen den Stadtlärm?

Fehlen Windräder, dann müssen wir Kohlestrom nutzen. Die CO2-Emissionen von einem 700-MW-Kohlekraftwerk betragen jährlich 5,6 Millionen Tonnen CO2, die von hundert 7-MW-Windrädern null. So sparen die beiden geplanten 7-MW-Windräder 100.000 Tonnen CO2 im Jahr ein. Gaskraftwerke erzeugen den teuersten, fossilen Strom. Der größte Teil des Gases wird importiert. Das macht uns erpressbar, wie ein Brief zeigt, den die USA und Katar gemeinsam verfasst haben. Sie drohen mit dem Stopp von LNG-Lieferungen, sollte die EU auf den Nachhaltigkeitspassus im Lieferkettengesetz bestehen.

Windenergie ist eine kostenlose Energiequelle, die in ganz Deutschland flächendeckend vorkommt und auch flächendeckend geerntet werden muss. So machen wir uns vom Ausland unabhängiger und erhalten heimischen, preiswerten Strom. Wind gehört niemandem, niemand kann ihn verkaufen und Geld verdienen.

 

Ulrike Selje, Reutlingen