In Zeiten leerer Kassen ist es nur natürlich, Projekte zu hinterfragen. Nur: Klagen die Kommunen nicht immer über leere Kassen? Ich erinnere mich an eine Aussage eines früheren OB, der beim Neujahrsempfang darüber klagte, Reutlingen könne sich im betreffenden Jahr nicht mal leisten, den Sand der Sandkästen an den Kindergärten und Spielplätzen zu wechseln. Gleichzeitig waren zu diesem Zeitpunkt zweistellige Millionenbeträge für die Stadthalle investiert, ohne am Projekt selbst auch nur einen Stein bewegt zu haben.
Das Projekt Stadtbahn ist ohne Zweifel das wichtigste Projekt für Reutlingen und die Region in den nächsten Jahren. Und jeder, der regelmäßig durch Reutlingen fahren muss, weiß das. Wer dort wohnt, weiß es auch! Warum tut es Not, dass beschlossene, sinnvolle und zukunftsträchtige Projekte immer und immer wieder von den ewig Gestrigen auf der Ziellinie angegriffen werden? Und mit welchen Argumenten besserer Alternativen: Seilbahnen, autonome Busse … alles Sonderlösungen oder Zukunftsmusik, die in den nächsten 30 Jahren nicht zum Tragen kommen. Inkompetentes Geschwätz!
Wir stehen jetzt vor der Umsetzung dieses wichtigen Projektes. Fragen Sie sich, liebe Dauernörgler: Wollen Sie eine maßgebliche Verbesserung des Verkehrssystems in Reutlingen und der Region unterstützen, und damit von der Verkehrsberuhigung über die Lärmbelastung bis hin zum Schadstoffausstoß endlich für Reutlingen eine Verbesserung erzielen, oder wollen Sie sich durch diese – wenn ich das sagen darf – leicht durchschaubaren Seitenhiebe weiterhin politisch profilieren? Am Ende werden sich diejenigen einen Namen machen, die das Projekt ermöglich haben.
Ich weiß: Das ist Demokratie. Jeder darf etwas zum Thema sagen. Etwas sagen zu dürfen ist gut und wichtig, heißt aber nicht, zu allem etwas sagen zu müssen. Sie aber fördern gerade den Eindruck, dass Demokratie – wenn missbraucht – ungeheuer nerven kann und treiben damit die Menschen in die Arme der rechten und linken Populisten. Auch das geschieht derzeit. Unter anderem, weil man nirgendwo mehr weiterkommt. Machen Sie sich Gedanken darüber, welche Verantwortung Sie als in der Öffentlichkeit stehende Kommunalpolitiker haben. Das geht über einzelne Projekte, aber auch über den eigenen Tellerrand hinaus.
Frank Neher, Sonnenbühl
