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Versöhnung: Frieden zwischen Aras und Badenern

Baden, Württemberg - alles eins? Nein, sagt Landtagspräsidentin Aras. Das Land sei durch Vielfalt stark. Ein Gespräch beendet den Streit mit den Badenern. Beide Seiten bindet nun auch ein Versprechen.

Landtagspräsidentin Aras und Badener
Peter Koehler, Vorsitzender der Landesvereinigung Baden in Europa, und die Landtagspräsidentin Muhterem Aras (Grüne). Foto: Uli Deck
Peter Koehler, Vorsitzender der Landesvereinigung Baden in Europa, und die Landtagspräsidentin Muhterem Aras (Grüne).
Foto: Uli Deck

Nach weit über einer Stunde gab es gute Laune und ein gegenseitiges Versprechen: Landtagspräsidentin Muhterem Aras (Grüne) und die Badener haben sich ausgesöhnt. »Die Irritationen sind ausgeräumt«, sagte Peter Koehler, der Vorsitzende der Landesvereinigung Baden in Europa, am Donnerstag nach einem Gespräch mit Aras im Karlsruher Rathaus. Um künftige Missverständnisse zu vermeiden, bot Aras den Badenern den »direkten Draht« an und sie betonte: »Baden-Württemberg lebt von starken Regionen und lokalen Identitäten.«

Am Schluss stehe ein bunter Strauß an Vielfalt, Kulturen, Traditionen und Identitäten. »Das ist die Stärke - und das könnte auch Vorbild sein für Europa«, meinte Aras in Bezug auf Äußerungen von Ministerpräsident Winfried Kretschmann. Der Regierungschef hatte jüngst erklärt, im 70. Jahr des Bestehens des Landes gebe es keine Badener mehr, nur noch Baden-Württemberger.

Vollends versöhnt wurden die Badener durch ein Versprechen: Sollte sie zum 75. Landesgeburtstag noch Landtagspräsidentin sein, werde die Jubiläumsveranstaltung im badischen Landesteil stattfinden, sagte Aras. Die Landesvereinigung Baden müsse im Gegenzug aber daran arbeiten, dass sie bis dahin im Amt bleibe, meinte die Grünen-Politikerin schmunzelnd. Schließlich liege eine Landtagswahl dazwischen.

Für Ärger hatte eine Stuttgarter Podiumsdiskussion mit dem Titel »Wer wir sind! Wer sind wir? 70 Jahre Baden-Württemberg« gesorgt, die ohne badische Beteiligung organisiert worden war. Bei der großen Jubiläumsveranstaltung des Landes Baden-Württemberg am Mittwochabend waren die Badener zwar selbstverständlich dabei. Es habe aber für Irritationen gesorgt, dass der Landtag bei der vorangegangenen lokalen Stuttgarter Diskussion vielleicht nicht genügend differenziert habe, räumte Aras ein. Bei dem Austausch mit dem Baden-Verein sei man sich einig gewesen, dass das Land aus seiner regionalen und kulturellen Vielfalt Stärke beziehe. Sie hob auch die Bedeutung Badens bei der Entwicklung der Demokratie hervor. Es schade nicht, das noch stärker zu betonen. »Wir werden im engen Austausch bleiben«, sagte sie.

Baden-Vereins-Chef Koehler fände es gut, wenn badische Belange mehr beachtet würden. Sein Vorgänger und langjährige Baden-Lobbyist Robert Mürb will jedenfalls auch künftig »Klartext gegenüber Stuttgart« sprechen und auf Ungerechtigkeiten zwischen Landesteilen hinweisen.

Der latente Konflikt hat mit der Landesgründung zu tun: Vor dem Zweiten Weltkrieg bestand der Südwesten aus Baden, Württemberg und Hohenzollern. Nach Kriegsende formten die Alliierten Württemberg-Baden, Württemberg-Hohenzollern und Baden. Auf württembergische Initiative hin wurde der Südwesten vor einer Volksabstimmung in vier Abstimmungsbezirke unterteilt. Zur Gründung des Südweststaats sollte die mehrheitliche Zustimmung in drei Bezirken reichen - die Badener fühlten sich ausgetrickst.

Auch 70 Jahre nach Landesgründung ist in vielen Köpfen der Bindestrich in Baden-Württemberg noch sehr präsent. Wie eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Infratest dimap im Auftrag des Südwestrundfunks (SWR) vor kurzem ergab, sehen sich 51 Prozent am ehesten als Baden-Württemberger, 24 Prozent als Badener und 18 Prozent als Württemberger. Insgesamt leben rund 11,1 Millionen Menschen in Baden-Württemberg; nach Angaben des Statistischen Landesamtes 5,1 Millionen davon in den badischen Regierungsbezirken Karlsruhe und Freiburg, 6 Millionen in den württembergischen Regierungsbezirken Stuttgart und Tübingen.

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