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Reutlingen: Das Team Freiheit zieht Liste für die Landtagswahlen zurück

Frauke Petry (einst AfD) und Thomas Kemmerich (früher FDP) sind die wohl bekanntesten Gesichter vom Team Freiheit. In Baden-Württemberg wurde die Reutlinger Ex-FDPlerin Sarah Zickler zur Spitzenkandidatin gekürt. Doch kurz vor der Sitzung des Landeswahlausschusses zieht die »Anti-Partei« ihre Liste überraschend zurück.

Im Dezember war Thomas Kemmerich in Reutlingen, um mit Sarah Zickler das Team Freiheit samt Wahlprogramm vorzustellen - doch nun
Im Dezember war Thomas Kemmerich in Reutlingen, um mit Sarah Zickler das Team Freiheit samt Wahlprogramm vorzustellen - doch nun hat die junge Partei ihre Liste überraschend zurückgezogen. Foto: Privat
Im Dezember war Thomas Kemmerich in Reutlingen, um mit Sarah Zickler das Team Freiheit samt Wahlprogramm vorzustellen - doch nun hat die junge Partei ihre Liste überraschend zurückgezogen.
Foto: Privat

REUTLINGEN. Im Februar vergangenen Jahres wurde die Reutlinger FDP-Stadtverbandsvorsitzende Sarah Zickler einstimmig zur Landtagskandidatin ihrer Partei gewählt. Knapp ein halbes Jahr später trat sie dann, für viele überraschend, aus der Partei aus und verkündete ihren Wechsel zum »Team Freiheit«. Diese »Anti-Partei«, wie sie sich selbst nennt, wurde vom einstigen Thüringer FDP-Landesvorsitzende Thomas Kemmerich und Frauke Petry, Mitgründerin und Ex-Bundessprecherin der AfD (ausgetreten 2017), als Verein ins Leben gerufen.

Kerninhalte des Wahlprogramms sind Deregulierung, Abbau der Bürokratie, eine radikale Vereinfachung des Systems und »Sozialstaat absägen!«, wie es auf der Homepage heißt. Dieser sei völlig ineffizient, da zu viele Ausgaben in die Verwaltung fließen, und somit auf Dauer nicht finanzierbar. Und außerdem geht es der Partei, wie der Name schon sagt, um Freiheit: der Meinung, aber auch der Märkte und des Handels.

»Alle Kräfte werden ab sofort gebündelt, um den dringend notwendigen Kurswechsel auf Bundesebene anzuführen«

Um auf Landes- und Bundesebene bei Wahlen antreten zu können, wurde aus dem Verein eine Partei, die im November 2025 von der Bundeswahlleiterin als solche anerkannt wurde. Für die Landtagswahlen in Baden-Württemberg (8. März) und Rheinland-Pfalz (22. März) wurden Kandidaten und Unterstützer gesucht. Mit beidem waren die jeweiligen Landesverbände erfolgreich. Sarah Zickler wurde zur baden-württembergischen Spitzenkandidatin gekürt, zudem fanden sich weitere 25 Kandidaten. Und man habe auch weit mehr als die benötigten 2.000 Unterschriften gesammelt, berichtet Zickler. Mitte Dezember waren es laut Homepage der Partei bereits 2.400. Für die Landtagswahlen in Rheinland-Pfalz habe man ebenfalls die »formalen Zulassungsvoraussetzungen« erfüllt, schreibt das Team Freiheit in einer Pressemitteilung - inklusive zehn Kandidaten für den Landtag. So verwunderte es, dass das Team Freiheit auf den Wahlzetteln der beiden Bundesländer nun doch nicht zu finden sein wird.

»Wir haben kurz vor knapp entschieden, unsere Liste zurückzuziehen«, sagt Sarah Zickler auf Nachfrage des GEA. Cornelia Nesch, Landeswahlleiterin des Landes Baden-Württemberg, konnte dies am Donnerstag nicht bestätigen. »Ich kann im Vorfeld der morgen anstehenden Sitzung des Landeswahlausschusses, in dem über die Zulassung der Landeslisten entschieden wird, keine Auskünfte zu Wahlvorschlägen, auch nicht zu zurückgenommenen, erteilen«, teilt sie per Mail mit.

Was aber ist der Grund für den Rückzug? Das Team Freiheit habe beschlossen, seinen Fokus auf die Bundespolitik zu legen. "Wir erwarten eine vorgezogene Bundestagswahl", erklärt Sarah Zickler, man gehe von einem Bruch der bestehenden Regierung im Frühjahr 2027 aus. Nämlich dann, wenn es um den nächsten Bundeshaushalt und seine Finanzierung geht. "Die Kritik an der Regierung wird immer lauter," so Zickler. "Wie soll das bis 2029 halten?" Darauf wolle das Team Freiheit sich rechtzeitig vorbereiten. »Alle Kräfte werden ab sofort gebündelt, um den dringend notwendigen Kurswechsel auf Bundesebene anzuführen«, schreiben Petry und Kemmerich in einer Pressemitteilung. "Wir wollen keine Zersplitterung der Kräfte, sondern einen konzentrierten Schlag gegen den Reformstau in Berlin." Zusätzlich noch Landtagswahlkämpfe zu stemmen, sei personell nicht machbar. "Wir sind eine sehr junge Partei und befinden uns im Aufbau, eine Art Start-up", erläutert Zickler.

"Wir sind eine sehr junge Partei und befinden uns im Aufbau,
eine Art Start-up"

Befürchtungen, dass die neue Partei in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz an der Fünf-Prozent-Hürde scheitern könnte, habe man keine gehabt, erklärt Sarah Zickler auf Rückfrage. Auch wenn die FDP im Südwesten derzeit noch eine feste Größe in der Parteienlandschaft ist. »Wir haben uns sehr gute Chancen ausgerechnet«, sagt sie, dies werde auch von Umfragen bestätigt. Allerdings wird das Team Freiheit bei den Meinungsforschungsinstituten nicht extra aufgeführt, sondern fällt unter »Sonstige«- diese lagen alle zusammen bei den jüngsten Umfragen bei fünf Prozent. So viel, wie die FDP ebenfalls erreicht. Vor allem inhaltlich würde das Team Freiheit hervorragend angenommen, ist Zickler überzeugt: »Wir sind bei den Wirtschaftsthemen glaubwürdiger als andere Parteien«.

Für Baden-Württemberg wünscht sich Sarah Zickler trotz ihres Nichtantretens einen Regierungswechsel - »die passende Politik in unserem Land fehlt«. Sie hofft, dass ihre Ex-Partei FDP den Wiedereinzug in den Landtag schafft, sie sei eine Liberale, betont sie. Auch wenn sie den Austritt aus der FDP nicht bereue. »Es tut gut, wenn man sich äußern kann, ohne auf Parteibefindlichkeiten achtgeben zu müssen.« Wie es mit ihrer eigenen politischen Karriere nun weitergeht, ist unklar. »Ich engagiere mich weiter politisch auf vielen Ebenen.« Auch wenn sich ein Landtagsmandat mit dem Rückzug der Liste erledigt hat. (GEA)

Im Dezember war Thomas Kemmerich noch in Reutlingen, um mit Sarah Zickler das Team Freiheit samt Wahlprogramm vorzustellen - doc
Im Dezember war Thomas Kemmerich noch in Reutlingen, um mit Sarah Zickler das Team Freiheit samt Wahlprogramm vorzustellen - doch nun hat die junge Partei ihre Liste überraschend zurückgezogen. Foto: Privat
Im Dezember war Thomas Kemmerich noch in Reutlingen, um mit Sarah Zickler das Team Freiheit samt Wahlprogramm vorzustellen - doch nun hat die junge Partei ihre Liste überraschend zurückgezogen.
Foto: Privat