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Nagel: Kitas und Grundschulen sollten wieder öffnen

STUTTGART/BAYREUTH. Der Mediziner und Gesundheitswissenschaftler Eckhard Nagel, der in der Corona-Pandemie auch die Politik berät, plädiert ungeachtet der Gefahr mutierter Coronaviren für schnelle Öffnungen von Kitas und Grundschulen. »Ich hoffe, dass sich in den Beratungen der Ministerpräsidenten mit der Bundeskanzlerin die Einsicht durchsetzt, Kindertagesstätten und Grundschulen weitgehend wieder zu öffnen. Zumal wenn man sich anschaut, was für Folgen es hat, wenn Kindern die Kontakte und diese Unterstützung fehlen«, sagte der Professor für Medizinmanagement und Gesundheitswissenschaften an der Universität Bayreuth dem »Südkurier« (Dienstag). Am Mittwoch wollen Bund und Länder über die weiteren Schritte in der Pandemie beraten.

Die Datenlage mit Blick auf Infektionswahrscheinlichkeiten in Kitas spreche »einfach dafür, hier mutiger zu werden«. Es gebe zwar eine Reihe von Studien, die laut Nagel Bedenken aufwerfen. »Aber da muss man ganz genau hingucken, was diese jeweils eigentlich aussagen. Im Grunde bleibt die Erkenntnis: Kinder erkranken selbst in der Regel nicht schwer und tragen nicht wesentlich zur Pandemie bei«, sagte Nagel. »Da spielt sicherlich auch eine Rolle, dass kleinere Kinder viel weniger Atemluft ausstoßen als ein erwachsener Mensch und damit auch weniger Aerosole verbreiten.« Es fänden sich zwar auch in Kitas vereinzelt Kinder mit Infektionen, aber die Anzahl sei überschaubar. »Selbst wenn man mit einkalkuliert, dass Kinder häufig symptomfrei sind. Es hat sich in keiner Stadt ein echter Hotspot an einer Kita herausgebildet.«

Ende Januar hatte sich Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) auch auf Nagel berufen, als er seine Pläne, Kitas und Grundschulen im Südwesten rasch wieder zu öffnen, verteidigte. Kurz darauf machte die grün-schwarze Landesregierung wegen einer Corona-Mutation in einer Freiburger jedoch einen Rückzieher und verschob diesen Schritt. (dpa)