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Drittes Hospiz für Stuttgart nimmt weitere Hürde

Seit neun Jahren verfolgt die Rotkreuzschwesternschaft den Plan. Jetzt geht es mit dem Projekt scheinbar voran

So soll der Neubau in der Relenberg-straße aussehen. FOTO: WULF/SCHWESTERNSCHAFT
So soll der Neubau in der Relenberg-straße aussehen. FOTO: WULF/SCHWESTERNSCHAFT
So soll der Neubau in der Relenberg-straße aussehen. FOTO: WULF/SCHWESTERNSCHAFT

STUTTGART. Vor neun Jahren haben sie mit dem Planen begonnen. Nun ist die Württembergische Schwesternschaft vom Roten Kreuz einen Schritt weiter mit ihrer Idee, in Stuttgart ein drittes Hospiz zu bauen. Der Bezirksbeirat Nord hat sich in seiner letzten Sitzung des ausgehenden Jahres einstimmig dafür ausgesprochen, dem Gemeinderat zu empfehlen, den Entwurf des Bebauungsplans öffentlich auszulegen.

»Das ist ein maßgeblicher Beschluss und dass er einstimmig gefällt worden ist, ist ein klares Statement des Beirats für die Umsetzung dieses Projekts an diesem Standort«, sagt die Vorstandsvorsitzende der Schwesternschaft, Anne-Katrin Gerhardts. Sie deutet das als entscheidenden Rückhalt.

Die Idee für das Hospiz in der Relenbergstraße war entstanden, als das evangelische Hospiz für eine Übergangszeit im Haus der Schwesternschaft Unterschlupf gefunden hatte – und das naturnahe In-nenstadtgrundstück mit seinen hohen Bäumen intensiv nutzte. Susanne Scheck, Gerhardts Vorgängerin im Amt, verfolgte den Gedanken intensiv weiter.

Einen Namen hat der projektierte Gebäudekomplex bereits. Er soll Hospiz Königin Charlotte heißen – und zusätzlich zum katholischen Hospiz St. Martin und dem evangelischen in der Stafflenbergstraße ein Angebot an Menschen in der allerletzten Lebensphase machen. Aus bisher 16 Plätzen in Stuttgart sollen durch den Bau 26 werden. Eine Zahl, die Stuttgart durchaus verträgt: Geht man von einem Bedarf von 50 bis 80 Plätzen für eine Million Menschen aus, kommt man für Stuttgart auf eine Zahl von 30 bis 48 Plätzen.

Die Schwesternschaft will auf ihrem eigenen Areal in der Relenbergstraße 90 bauen, gleich neben dem Eberhard-Ludwig-Gymnasium. Auf dem 6.500 Quadratmeter großen Areal sollen ein Hospiz mit zehn Plätzen und ein Pflegeheim für 45 Menschen mit angegliederter ambulanter Pflege entstehen. Dafür wollen die Schwestern das bestehende ehemalige Mutterhaus und das bis 2015 betriebene Pflegeheim abreißen und neu bauen.

Ein Plan, den man getrost ein Mammutprojekt nennen kann. Die ursprüngliche Idee, die bestehenden Gebäude um-zubauen, hatten die Rotkreuzschwestern aus baulichen Gründen verworfen.

26 Millionen Euro Kosten

Die Herausforderung bei solch langwierigen Vorhaben besteht darin, Genehmigungsverfahren und Finanzierung möglichst parallel voranzutreiben. Ein weiterer planerischer Schritt ist nun ge-macht. Und mit einer Stiftung, so berichten es Gerhardts und Scheck, inzwischen Vorsitzende des Fördervereins Hospiz Königin Charlotte, ist offenbar auch eine potente Spenderin gefunden, »die ganz große Bereitschaft hat, uns bei diesem Projekt zu unterstützen«. Man sei im Aushandlungsprozess. Mit einer Million pro Hospizplatz rechnen die Bauherrinnen. Dazu kommen weitere Kosten. Sodass man gerade bei 26 Millionen Euro Bauvolumen liege, sagt Gerhardts.

»Wir haben schon Vorleistungen in Höhe von zwei Millionen Euro erbracht.« Die würden auch angerechnet. Zudem stellen die Schwestern das Grundstück. Für das Pflegeheim gibt es eine Zusage aus dem Fördertopf »Förderung stationärer Pflegeplätze und innovativer Modellprojekte«. Die Zusage von 2024 beläuft sich auf 3,6 Millionen Euro. Mit diesen Zahlen kalkuliere man jetzt im Wissen um die klammen Finanzen der Stadt.

»Wir wissen, dass das ein sehr dynamischer Prozess ist, auf den wir reagieren müssen.« Dazu kommen noch weitere Eigenmittel in Form von Krediten, aber auch Spenden und weitere Zuwendungen. Als in der Vergangenheit die kalkulierten Kosten schon einmal zu hoch waren, hatten die Schwestern zunächst das Quartierscafé, die eigene Küche, aus der Planung gestrichen. Die Idee eines Cafés möchte Susanne Scheck mit Blick auf die Quartierentwicklung noch einmal prüfen. Geplant ist laut Scheck, »dass der Park als eine Art Oase der Ruhe für die Öffentlichkeit weiter geöffnet bleibt«. Die Eidechsen, deren Existenz der Planung im Weg standen, sind bereits in ein Habitat auf dem Gelände umgezogen.

Mit einem Satzungsbeschluss rechne man gegen Ende des ersten Quartals 2026, so Gerhardts. Dann werde man einen Bauantrag stellen. Ginge es nach Gerhardts und Scheck sollen die Gebäude, wenn alle Prozesse optimal greifen, bis Ende 2027 stehen. Die künftige Leitung des Hospizes haben sie jedenfalls gefunden. (GEA)