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Bayer-Absturz aus dem Nichts: »Keiner hat damit gerechnet«

Das Spiel gegen Hoffenheim sollte für Bayer Leverkusen der Wendepunkt werden, es wurde der nächste Schlag in die Magengrube. Nach dem 0:3 zu Hause steckt die Werkself endgültig in der Krise. Und den Ausweg zu finden, scheint nicht leicht.

Bayer Leverkusen - TSG 1899 Hoffenheim
Hoffenheims Christoph Baumgartner feiert den 0:3-Auswärtssieg. Foto: Federico Gambarini
Hoffenheims Christoph Baumgartner feiert den 0:3-Auswärtssieg.
Foto: Federico Gambarini

Der Absturz ist hart, und er kommt für alle bei Bayer Leverkusen aus dem Nichts. »Natürlich hat keiner damit gerechnet, dass wir so starten«, sagte Nationalspieler Jonathan Tah nach dem 0:3 (0:2) gegen die TSG Hoffenheim. Und auch Lukas Hradecky war ratlos. »Ich frage mich auch, was da los ist«, sagte der Kapitän und Torhüter: »Ich kann nicht alles erklären. Da besteht anscheinend größerer Redebedarf als erwartet.«

Nach der besten Rückrunde der Vereinsgeschichte und starker Vorbereitung hatten Bayer einige sogar als Geheimtipp auf dem Zettel. Doch statt durchzustarten, geht derzeit alles schief. Vier Niederlagen in vier Pflichtspielen hat Bayer kassiert, so schlimm startete der Club seit dem Aufstieg 1979 noch nie. Zudem hat die für ihren Offensivfußball bekannte Werkself mit einem Tor weniger Treffer erzielt als alle 17 Konkurrenten.

Dass sie ein Problem haben, haben in Leverkusen spätestens am Samstag alle erkannt. »Das ist ein schwieriger Moment für uns alle als Club, so wie auch für mich«, gestand Gerardo Seoane. Doch die Aufarbeitung fällt schwer. Dass die Krise so unverhofft kam, »macht es natürlich ein bisschen schwieriger, den Turnaround zu schaffen«, gestand Tah.

Die Lösungsansätze, die direkt nach dem Hoffenheim-Spiel kamen, waren deshalb wenig kreativ und klangen eher nach Durchhalte-Parolen. »Wir müssen wieder zu einfachem Spiel finden. Und so zu Sicherheit und Stabilität«, sagte Sportchef Simon Rolfes. »Wir müssen weiter zusammenstehen, Selbstkritik betreiben und Sachen ansprechen, aber gemeinsam nach vorne schauen«, erklärte Seoane. »Wir müssen uns alle an die eigene Nase fassen«, sagte Tah: »Natürlich regt man sich auch über andere auf, aber jeder kann mehr geben, jeder kann bessere Leistungen abliefern und mehr für die anderen arbeiten.«

Einen Ansatz schloss Abwehrchef Tah aber aus. »Wir können nicht immer sagen, dass wir jung sind«, sagte er. Obwohl sein Team genau das durchaus ist. »Wir können das aber nicht als Ausrede nehmen«, sagte Tah: »Wir müssen professionell sein und erwachsen sein. Wir spielen Erste Bundesliga und haben enorm viel Qualität.«

Bis zum 1. September bestünde noch die Möglichkeit, auf dem Transfermarkt nachzulegen. Und Rolfes schloss dies zumindest nicht aus. »Das ist natürlich ein Impuls, der möglich ist«, sagte er: »Wenn Sachen machbar sind, werden wir auch was versuchen.« Schnellschüsse wird es aber wohl nicht geben, auch wenn Bayer in Adam Hlozek erst einen Neuen geholt hat. »Wir haben aber auch nicht viel abgegeben. Der Kader ist ja mehr oder weniger beisammen«, gab Rolfes zu bedenken: »Das ist nicht nur mit Neuzugängen zu lösen, sondern vor allem aus uns selbst heraus.«

Große Freude herrschte derweil bei den Gästen. Nicht nur über den deutlichen Sieg, sondern auch über die herrlichen Tore. »Ja, zusammen mit einem Tor gegen Bremen war das sicher das schönste meiner Karriere«, sagte Christoph Baumgartner, der in der neunten Minute per Hacke traf. Und sich seinerseits für das 3:0 von Georginio Rutter begeisterte, der nach dem ersten Saisontor von Andrej Kramaric (35.) per Schrägschuss in den Winkel traf (78.): »Ein sensationelles Tor.«

So sah es auch Trainer André Breitenreiter, der erstmals nach 23 Versuchen und fast fünf Jahren ein Auswärtsspiel in der Bundesliga gewann. »Für solche Momente gehen die Leute ins Stadion«, sagte er. Und ergänzte lachend: »Ich nehme auch einfache Tore. Aber heute haben wir besondere geschossen.«

Informationen zum Spiel bei bundesliga.de

© dpa-infocom, dpa:220820-99-459190/8