Walter Tigers
Basketball - Der Russe Anatoli Kaschirow tritt bei den Walter Tigers in die großen Fußstapfen von Center-Legende Rasko Katic - und ist sogar noch länger als dieser

Zwei Meter und fünfzehn

VON FRANK WILD

TÜBINGEN. Wie ist denn die Luft da oben? Diese Quatsch-Frage fällt einem unweigerlich ein, wenn man vor einem Menschen steht, der 2,15 Meter groß ist. Der Russe Anatoli Kaschirow kommt gut mit seiner Körperlänge zurecht. Im Cockpit eines Formel 1-Boliden wäre das sicherlich schwierig. Kaschirow ist aber Basketballspieler - und da ist solch eine Statur sogar definitiv von Vorteil. »Ich habe damit keine Probleme«, erklärt der Neuzugang des Bundesligisten Walter Tigers Tübingen. »Es kommt immer darauf an, wie man es sieht - ich sehe nur das Positive.«

Positiv ist auch der Gesamteindruck, den der neue Center hinterlässt, wenn man sich mit ihm unterhält. »Toga«, wie ihn seine Freunde nennen, ist zwar erst 23 Jahre alt, aber schon ein gestandenes, durch seine Länge sogar imposantes Mannsbild. Nicht wenige trauen Kaschirow zu, dass er in seiner Sportart mal ein ganz Großer werden könnte. Manche sprechen im Zusammenhang mit ihm sogar von der nordamerikanischen Basketball-Profiliga NBA.

Die Chance, über den Draft dort zu landen, ist in diesem Jahr wegen seines Alters verstrichen. »Jetzt müsste ich einer der besten Spieler in Europa werden, damit man in den USA auf mich aufmerksam wird und mich unter Vertrag nimmt«, erklärt der gebürtige Moskauer.

Beim dortigen Top-Klub ZSKA hat er 2005 seine Profi-Karriere begonnen, wurde zweimal russischer Meister und Euroleague-Sieger. Dem damaligen italienischen Trainer Ettore Messina habe er viel zu verdanken. »Der hat mir Sachen gezeigt, die nicht jeder kennt«, berichtet der Hüne mit einem schelmischen Lächeln. Damals wurde Kaschi- row allerdings noch nicht mit allzu viel Spielzeit bedacht. Nach einer Saison bei Spartak St. Petersburg wechselte er zur Saison 2009 in die Basketball-Bundesliga zum damaligen Aufsteiger MBC Weißenfels - und lehrte den Tübingern zum Rundenauftakt beim 95:91-Erfolg seines Teams mit 19 Punkten und neun Rebounds gleich mal das Fürchten.

»Ich bin auf den Geschmack von viel Spielzeit gekommen«, kommentiert er die durchschnittlich 22 Minuten beim MBC und erklärt damit auch, warum er in die BBL zu Tübingen gekommen (»ich kenne Deutschland mittlerweile ein wenig«) und nicht in eine absolute Top-Liga wie Spanien oder Italien gegangen ist. »Diese Saison ist sehr wichtig für mich«, erklärt die künftige Trikot-Nummer 12.

»Ich bin auf den Geschmack von viel Spielzeit gekommen«
 
Dass er bei den Walter Tigers in die großen Fußstapfen des langjährigen »Big Man« und Publikumslieblings Rasko Katic (2,08 m) tritt, sieht Kaschirow gelassen. Trotz seiner Körpergröße und seiner 115 Kilo kann er den von Cheftrainer Igor Perovic bevorzugten schnellen Basketball spielen. »Ich bin flinker als ein Center das gewöhnlich ist«, erklärt er selbstbewusst. Zudem hat er einen richtig guten Wurf aus der Distanz. Von seiner Freiwurfquote (72,7 Prozent im Vorjahr) konnte Katic in seiner Tübinger Zeit nur träumen. »Ich will mit den Tigers gut in die Saison starten und möglichst viele Siege holen, um vielleicht den Einzug in die Play-offs zu schaffen«, spricht er von seinen Zielen mit der Mannschaft. Natürlich will er auch seine eigenen Statistiken weiter verbessern.

Kaschirow wird im Oktober zum ersten Mal Vater. Seine Frau ist deshalb auch nicht dabei gewesen, als er am Mittwoch um 16.55 Uhr in Stuttgart gelandet ist. Ein Bett in seiner Größe haben ihm die Verantwortlichen der Walter Tigers bereits in seine Wohnung gestellt. Ohne Probleme. »Das ist reine Organisationssache«, schmunzelt der sympathische Osteuropäer. Nun kann Kaschirow nach den medizinischen Checks und dem obligatorischen Papierkram die heute beginnende Vorbereitungsphase auf die am 2. Oktober (20 Uhr) mit dem Heimspiel gegen Phoenix Hagen startende Saison gut ausgeruht angehen. (GEA)


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